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1. Vorwort

Wer an Sportfotografen denkt, dem kommen meistens die Männer (aus unerfindlichen Gründen sind die meisten Kollegen nach wie vor männlich, aber das Bild wandelt sich zum Glück langsam!) mit den großen weißen Rohren am Spielfeldrand der Bundesliga oder Fußball-WM ins Gedächtnis. Deren Fotos sind es, die am nächsten Tag die Zeitungsartikel bebildern, hinter der Tagesschausprecherin eingeblendet werden und die Bildergalerien der Fußballvereine auf Facebook füllen. Für nicht wenige ambitionierte Hobbyfotografen ist es der größte Traum, selbst mal neben den Profis bei hochklassigen Spielen an der Bande zu sitzen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die Fotografenmeute tummelt sich hinter der Ziellinie eines Ironman. (16 mm, Blende 11, 1/200 s, ISO 200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Damit verbunden ist oft der Irrglaube, dass man überhaupt erst dort anfangen könne, gute Sportfotos zu machen, herrscht doch nur in Bundesliga-Stadien ein fototaugliches Flutlicht, sehen doch Zuschauer im Hintergrund viel besser aus als der Kraut- und Rüben-Acker hinter dem örtlichen Bolzplatz und macht ein Weltstar als Motiv doch einfach viel mehr her als der Huber Seppi vom Heimatverein.

Diese Meinung verkennt aber Folgendes: In der Sportfotografie ist es wie fast überall, man fängt ganz unten an. Kaum einer der Profis hat in der Bundesliga begonnen und krönt das dann noch mit Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Nein, die allermeisten haben ganz unten angefangen und sich mühsam hochgearbeitet. Haben mit hochklassigen Portfolios aus unteren Ligen den Zugang zu den hohen gefunden. Denn wer bei Kreisklassen-Partien der Lokalkicker gute und aussagekräftige Bilder zustande bringt, der schafft es auch in der Champions League. Kreativität und der Blick für den richtigen Moment sind Voraussetzung von Anfang an, keine Eigenschaft die sich direkt proportional zur Liga-Höhe ganz von selbst steigert.

Ein aussagekräftiges Foto von einem unbekannten Sportler in einer niedrigeren Liga macht sich im Portfolio immer besser als das Bild eines simpel abfotografierten Spitzensportlers, das nur von der Prominenz des Motivs statt von zeigenswertem Bildinhalt oder kreativer Gestaltung lebt. Man sollte sich also nicht von dem verleiten lassen, was der Wirtschaftswissenschaftler Jeremy Rifkin einmal unter dem Begriff der Zugangsgesellschaft formuliert hat.

»Um sich zu unterscheiden und sich selbst hervorzuheben, sind Mode, Schmuck, Markenartikel heute immer noch wichtig. Ein noch wichtigeres Statussymbol aber ist es, zu exklusiven Erlebniswelten zugelassen zu werden.«
Jeremy Rifkin

Die Exklusivität des Blicks auf einen Spitzensportler ist in der Sportfotografie aber kein Vergleich zur Exklusivität kreativer, emotionaler oder Actiongeladener Bilder, denn letztere verlangen tatsächliches Können statt der bloßen Anwesenheit bei einer bestimmten Veranstaltung. Deshalb werden in dieser Einführung auch fast nur Bildbeispiele aus Amateurklassen oder von Positionen gezeigt, die für jeden Zuschauer problemlos zugänglich sind.

Womit wir beim Aufbau dieser kleinen Einführung in die Sportfotografie angelangt wären. Zunächst wollen wir uns mit den Technischen Grundlagen beschäftigen – was sind eigentlich Verschlusszeit, Blende und ISO, wie bringt man sie zur richtigen Belichtung in Einklang, wie funktioniert das mit dem Autofokus in der Sportfotografie? Nach den Basics widmen wir uns einem Punkt, dessen Wichtigkeit gerade in der Sportfotografie nicht zu verleugnen ist, deren Rolle aber auch schnell überschätzt wird: Die richtige Ausrüstung. Im Anschluss möchte ich auf die wichtigsten Bildtechniken und Effekte eingehen, die man sportartenübergreifend einsetzen kann, bevor wir zum Kern eines guten Fotos kommen: dem Inhalt und der Bildgestaltung. Zu einigen ausgewählten Sportarten folgen dann maßgeschneiderte Tipps im Detail – von Klassikern wie Fußball und Basketball bis zu Ausdauersportarten. Anschließend kommen wir zum kritischen Thema Bildbearbeitung, das im Sport eigentlich gar kein Hexenwerk ist, bevor am Schluss leider noch ein paar Worte zum angemessenen Verhalten am Sportplatz sein müssen ;)

Viel Spaß beim Lesen!