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2. Technische Grundlagen

2.1. Verschlusszeit, Blende und ISO

Verschlusszeit und Blende sind die wesentlichen technischen Gestaltungselemente eines Bildes – zur richtigen Belichtung kommt es zusätzlich noch auf die ISO-Empfindlichkeit an. Alle drei Parameter kann man der Kamera manuell vorgeben oder voll- bzw. teilautomatisch berechnen lassen – durch Wahl des richtigen Belichtungsmodus. Doch dazu mehr im nächsten Kapitel. Zunächst also zu den Grundlagen.

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange der Verschlussvorhang geöffnet bleibt, also wie lange Licht auf den Sensor (respektive Film) fallen kann. Sie gibt also die Zeitdauer an, die zwischen dem Öffnen und dem Schließen des Verschlussvorhangs vor dem Sensor vergeht – nur während dieser Zeit fällt Licht auf den Sensor. Je länger die Verschlusszeit, desto verwischter erscheint eine Bewegung – je kürzer, desto mehr wird sie eingefroren. Im Sport ist 1/500 s ein erster Faustwert zum Einfrieren der Action, bei sehr schnellen Bewegungsabläufen (etwa ein Schmetterschlag beim Volleyball) kann auch 1/1000 s oder sogar 1/2000 s notwendig sein. Je kürzer die Verschlusszeit, desto größer muss allerdings die Blende oder desto höher muss die ISO-Empfindlichkeit sein, damit noch ausreichend Licht auf den Sensor fallen kann und das Bild richtig belichtet ist. Für Mitzieher oder gezielte Verwischeffekte sind dagegen oft lange Verschlusszeiten um 1/20s nötig – auch das variiert allerdings je nach Sportart. Im Zweifel hilft schlichtes Rumprobieren.

Blende

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Maximale Freistellung durch eine extrem offene Blende und lange Brennweite (200 mm, Blende 2.0, 1/400 s, ISO 1250)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die Blende ist ein weiteres elementares, technisches Gestaltungselement. Technisch befindet sich die Blende im Objektiv und bestimmt den Durchmesser, durch den das Licht durch das Objektiv gelangen kann. Neben der reinen Lichtmenge, die dadurch auf den Sensor fallen kann, hat die Blende neben der Verschlusszeit ebenfalls entscheidenden Einfluss auf die Bildwirkung. Sie bedingt, wie sehr das Motiv, auf das fokussiert wird, vor dem Vorder- und Hintergrund freigestellt wird (→ Eingefroren und freigestellt). Wie sehr der Hintergrund also verwischt beziehungsweise "weich" wird. Nebenbei entscheided die Blende natürlich genauso über die Menge des Lichts, das auf den Sensor fällt, wie die Verschlusszeit. Kurz zusammengefasst lässt sich die Funktion der Blende also so beschreiben:

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Vergleich verschiedener typischer Blendenöffnungen ausgehend von einer Offenblende 1.4. Jeder hier dargestellte Schritt bedeutet die Halbierung der Fläche und damit der einfallenden Lichtmenge. Die meisten Kameras bieten Zwischenschritte an, z.B. Blende 3.2 oder 3.5.

Quelle: Cbuckley, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Meistens will man bei klassischen Sportmotiven, etwa dem Zweikampf an der Mittellinie im Fußball, also mit einer möglichst offenen Blende arbeiten. Einerseits wird dadurch der störende Hintergrund schön unscharf, andererseits können wir dadurch auch leichter kurze Verschlusszeiten erreichen, was besonders bei schlechter Beleuchtung wichtig ist. Der einzige Nachteil der offenen Blende: Besonders lichtstarke Objektive (Blende 2.8 oder besser) sind in der Regel auch deutlich teurer, als ihre Pendants mit kleinerer Offenblende (z.B. 4.5-5.6). Die Tiefenunschärfe, also der Grad der Freistellung, ist neben der Blende übrigens auch von der Brennweite abhängig, doch dazu später mehr.

Und für die, die es wirklich interessiert: Die Blendenzahl, auch Öffnungszahl genannt, ist das Verhältnis der Brennweite zum Durchmesser der wirksamen Eintrittspupille. Die maximale Offenblende, auch Lichtstärke genannt, ist mit der Bauart des Objektivs festgelegt. Plump gesagt: Je größer der Durchmesser der Linsen im Verhältnis zur Brennweite, desto lichtstärker ist das Objektiv und desto kürzer der scharfe Bereich bei offener Blende. Ein Objektiv mit Lichtstärke 1.0 und der Brennweite von 50 mm weißt also eine wirksame Eintrittspupile mit einem Durchmesser von ebenfalls 50 mm auf. Dies ist optisch eine enorme Herausforderung, weswegen weniger lichtstarke Objektive deutlich günstiger sind. Bei einem 300 mm Objektiv würde Blende 1.0 damit also einen Linsendurchmesser von 30 cm bedeuten – eine abenteuerliche Vorstellung. Durch die Verstellung der Blendenlamellen im Objektiv lässt sich ausgehend von der Offenblende die einfallende Lichtmenge dann entsprechend reduzieren – mit der beschriebenen Auswirkung auf die Tiefenschärfe, also den maximal scharfen Bereich.

ISO-Empfindlichkeit

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ausschnitt aus einem Bild mit unnötig hoher ISO-Einstellung. Das Farbrauschen ist hier schon extrem, eine deutlich längere Verschlusszeit hätte auch gereicht. (85 mm, Blende 2.0, 1/8000 s, ISO 25600)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Bleibt die ISO-Empfindlichkeit, die von Bildrauschen und geringen Dynamikverlusten in hohen Bereichen abgesehen keinen entscheidenden Einfluss auf die Bildwirkung hat. Je höher die ISO eingestellt ist, desto mehr Licht nimmt der Sensor auf, wenn Blende und Verschlusszeit gleich bleiben. Natürlich bleibt die Lichtmenge gleich, die auf dem Sensor landet, wenn Verschlusszeit und Blende konstant sind. Erhöht man die ISO, nimmt der Sensor diese Lichtmenge aber mit höherer Empfindlichkeit auf, das Bild wird heller. Über die ISO braucht man sich heutzutage immer weniger Gedanken machen, da moderne Kameras selbst bei ISO 6400 und mehr noch extrem gute Ergebnisse liefern. Sie sollte also so gewählt werden, dass man mit der gewünschten und benötigten Kombination aus Blende und Verschlusszeit ein optimal belichtetes Bild erhält. Beliebig hoch sollte man sie dennoch nicht einstellen, da man bei heller Umgebung und offener Blende sonst gegebenenfalls das Limit der kürzest möglichen Verschlusszeit der Kamera erreicht (oft 1/8000 s, manchmal auch schon 1/2000 s) oder sich unnötige Qualitätsverluste – das erwähnte Bildrauschen – einhandelt.

Beispiel

Zum Abschluss noch eine Tabelle, mit den Parametern von sechs verschiedenen Beispielbildern, die im Ergebnis alle die selbe Belichtung aufweisen – also gleich hell beziehungsweise dunkel sind. Sie haben allerdings unterschiedliche Bildwirkungen: Mal mit mehr Freistellung durch offene Blende (Bild 3, 4 und 5), mal mit eher zu langer Verschlusszeit (Bild 1, 2 und 3) und mal mit etwas mehr Bildrauschen durch einen höheren ISO-Wert (Bild 5, 6 und 1).

Parameterwerte von sechs Bildern, die im Ergebnis alle die selbe Belichtung aufweisen:
Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Bild 5
Bild 6
Verschlusszeit
1/400 s
1/400 s
1/400 s
1/800 s
1/1600 s
1/800 s
Blende
5.6
4.0
2.8
2.8
2.8
4.0
ISO
800
400
200
400
800
800