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2. Technische Grundlagen

2.2. Automatikmodi und Manuelle Belichtung

Nachdem wir die Grundlagen verstanden haben, kommen wir zur richtigen Belichtung eines Bildes. Die einfachste Variante ist es, alle dafür notwendigen Parameter der Kamera zu überlassen. In der Voll- oder Programmautomatik (häufig P abgekürzt) kümmert sich die Kamera selbst um Verschlusszeit, Blende und ISO. Der Fotograf muss nur noch draufhalten. Dieser Modus soll jedwedes Fotomotiv halbwegs ordentlich abbilden können – was in der Praxis in der Regel zu bestenfalls mittelmäßigen Ergebnissen führt. Und damit wollen wir uns schließlich nicht zufrieden geben, oder? Für die Sport- und Actionfotografie sind daher folgende drei Belichtungsmodi besser geeignet:

Alle Drei haben ihre Daseinsberechtigung und eignen sich je nach Bildidee und äußeren Bedingungen mehr oder weniger gut. Schauen wir uns die drei Modi also mal genauer an.

Zeitautomatik

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein Fall für die Zeitautomatik: Damit der Hintergrund möglichst in der Unschärfe verschwindet wurde Blende 2.8 vorgegeben. Die ISO wurde so eingestellt, dass die Kamera eine ausreichend kurze Verschlusszeit berechnen kann – die Bewegung sollte schließlich scharf eingefroren werden. (150 mm, Blende 2.8, 1/640 s, ISO 3200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die Zeitautomatik – auch Blendenpriorität genannt und oft mit AV oder A abgekürzt – empfiehlt sich dann, wenn man durch eine selbst eingestellte Blende einen bestimmten Effekt bei nicht konstanten Lichtbedingungen erzielen möchte. Zum Beispiel: Ich möchte beim Fußball die Spieler möglichst vor dem unansehnlichen Hintergrund freistellen. Im AV-Modus kann ich die Kamera zwingen, immer die Offenblende, z.B. 2.8 zu verwenden. Da die Lichtbedingungen auf dem Platz aber zwischen Sonne und Schatten wechseln, eignet sich hier der Manuelle Modus nicht. Die Kamera soll die Verschlusszeit selbst entscheiden. Die ISO-Empfindlichkeit solle dann natürlich so eingestellt sein, dass man auch im dunklen Teil des Spielfeldes noch eine ausreichend kurze Verschlusszeit erreicht, z.B. 1/500 s.

Blendenautomatik

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die lange Verschlusszeit wurde in diesem Bild eingesetzt, um einen grafischen, verwischten Effekt zu erzielen. Im Belichtungsmodus TV wurde die Verschlusszeit vorgegeben, während die Kamera die passende Blende berechnet hat (16 mm, Blende 4.5, 1/25 s, ISO 400)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die Blendenautomatik – auch Zeitpriorität genannt und oft mit TV, T oder S abgekürzt – kann dann die bessere Wahl sein, wenn Blende und Freistellung relativ egal sind und dafür eine bestimmte Verschlusszeit als Gestaltungsmittel dienen soll. So kann man beispielsweise eine relativ lange Verschlusszeit einstellen, um von einem schnell bewegten Motiv einen Mitzieher zu machen, bei dem alles Unbewegte außen rum verwischt. Dabei spielt die Blende insofern keine große Rolle, als dass außer dem Protagonisten durch den Wischeffekt ohnehin nichts scharf abgebildet wird. Die richtige Blende wird dann von der Kamera errechnet, bei wechselnden Lichtbedingungen können also durchaus unterschiedliche Werte bei konstanter vorgegebener Verschlusszeit zu richtig belichteten Bildern führen. Die ISO ist in diesem Fall so einzustellen, dass die Blende weder das obere noch das untere Maximum erreicht, da es sonst zu einer falschen Belichtung kommt.

Manuelle Belichtung

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Hier wurde der M-Modus zur Belichtung verwendet, weil geblitzt wurde. Der entfesselte Blitz kann nur maximal mit einer Verschlusszeit von 1/400s synchronisiert werden, gleichzeitig sollte eine sehr geschlossene Blende sichergestellt werden (16 mm, Blende 9.0, 1/400 s, ISO 200, entfesselter Blitz)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Fotografiert man dagegen bei gleich bleibenden Lichtbedingungen, zum Beispiel bei Flutlicht oder gleichbleibend bedecktem Himmel, dann empfiehlt sich der manuelle Modus M. Hat man die richtigen Einstellungen gefunden kann man gleichbleibend belichtete Aufnahmen machen, während sich die Messautomatik der Kamera möglicherweise durch unbedeutende Helligkeitsunterschiede hätte irritieren lassen. Gibt es allerdings signifikante Helligkeitsunterschiede – etwa durch ungleichmäßige Ausleuchtung des Spielfeldes – kann manuelles Nachstellen mühsam sein, hier empfiehlt sich wieder eine der beiden Teilautomatiken. Eine großartige Neuerung von einigen moderneren Kameragehäusen ist übrigens, dass eine ISO-Automatik gewählt werden kann. Man gibt die beiden wichtigsten Enstellungen Verschlusszeit und Blende also vor, während die Kamera sich um die richtige ISO-Empfindlichkeit kümmert. Dies ist nicht nur für die Sportfotografie ein extrem spannendes Feature, da es die volle Gestaltungshoheit über die beiden Einstellungen lässt, die am meisten Auswirkungen auf die Bildwirkung haben. Den heutzutage unwichtigsten Part überlässt man der Kamera, während man auch unter wechselnden Lichtbedingungen die volle Kontrolle hat. Verhältnismäßig unwichtig ist die ISO-Empflindlichkeit heute deshalb, weil moderne Kameras auch bei sehr hohen ISO-Empfindlichkeiten, wie ISO 6400, noch eine hervorragende Bildqualität abliefern.

Nicht alle Kameras bieten einen Auto-ISO-Modus. Dann muss die ISO in allen drei Kameramodi von Hand vorgegeben werden. Viele Bewegungen lassen sich erst mit einer Verschlusszeit von 1/500 s oder kürzer einfrieren. Solche Verschlusszeiten erreicht man selbst großen Blenden (kleiner Blendenzahl!) nur bei exzellenten Lichtbedingen, solange die ISO etwa bei 100 oder 200 eingestellt ist. Bewölkung oder künstliche Beleuchtung erfordern dagegen meistens deutlich höhere ISO-Zahlen, um mit den entsprechenden Mindestvorgaben noch richtig belichtete Bilder zu erzeugen. Gerade kleinere Sporthallen und lokale Fußballplätze bieten meist eine unglaublich schlechte Beleuchtung, mit der das menschliche Auge noch gut zu Recht kommt, die das Fotografieren allerdings zum Graus machen kann. Wenig Licht lässt sich also einerseits durch längere Verschlusszeit ausgleichen, das Limit ist hier meistens das Einfrieren der Bewegung. Andererseits durch Objektive mit größerer Blende, die nebenbei noch eine bessere Freistellung ermöglichen, aber meistens teuer und schwer sind. Neben der technischen Machbarkeit und der Finanzierbarkeit ist bei extrem lichtstarken Objektiven außerdem zu bedenken: Die Bereich der Schärfentiefe kann etwa bei einem 85mm Objektiv mit Blende 1.2 schon so kurz sein, dass zwar das Gesicht eines Basketballers scharf ist, der Ball in seiner Hand aber schon nicht mehr.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Handball unter schlechtesten Lichtbedingungen: Selbst mit einem Kameragehäuse aus dem Jahre 2004 liesen sich mit ISO 3200 noch brauchbare Ergebnisse erzielen. Aktuelle Gehäuse sind in diesem Bereich Lichtjahre weiter! (200 mm, Blende 2.0, 1/800 s, ISO 3200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Man stößt bei schlechtem Licht also schnell an die Grenzen der längstmöglichen Verschlusszeit und offenmöglichsten Blende. Es bleibt, die ISO-Empfindlichkeit entsprechend nach oben anzupassen, um das Bild richtig zu belichten. Je moderner das Kameragehäuse, desto weniger wirkt sich die hohe ISO auf die Bildqualität – also Rauschen und Dynamikumfang – aus. Darüberhinaus ist es meistens besser, überhaupt ein scharfes und richtig belichtetes Bild zu haben, als gar keines oder ein durch zu lange Verschlusszeit verwischtes.

Ein beliebter Anfängerfehler aus Angst vor Bildrauschen durch hohe ISO-Empfindlichkeit ist auch das Unterbelichten von Bildern. Dabei sollte man bedenken, dass ein richtig belichtetes Bild mit ISO 1600 immer noch weniger Bildrauschen aufweist, als ein zwei Blenden unterbelichtetes Bild mit ISO 400, dass dann am Computer wieder um die verlorenen zwei Blenden nach oben gezogen werden muss. Man sollte also keine Angst vor Bildrauschen haben, das verglichen mit Hochempfindlichen Analogfilmen bei heutigen digitalen Spiegelreflexkameras ohnehin harmlos ist und von Kamerageneration zu -generation besser wird, sondern lieber vor verpassten oder vermasselten Motiven wegen zu zaghafter ISO-Einstellung.