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2. Technische Grundlagen

2.4. Blitzen

Ein letzter das Licht und die Belichtung betreffender Punkt ist das Blitzen. Gerade in schlecht beleuchteten Sporthallen hierzulande ist er nicht selten anzutreffen, der rasende Reporter mit Aufsteckblitz auf der Kamera, der ungeachtet aller roter Augen, reflektierender Trikots, Schlagschatten an der Wand und unnatürlicher Farben alles in Grund und Boden blitzt, was sich bewegt.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Durch die sehr lange Verschlusszeit von 1/10s wurde der Lichteffekt der roten Scheinwerfer eingefangen und durch das Mitziehen der Kamera Dynamik ins Bild gebracht, mit dem Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang die Fahrer kurz eingefroren um einen scharfen Bezugspunkt herzustellen. (16 mm, Blende 4.0, 1/10 s, ISO 400)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die Versuchung dafür ist natürlich groß, benötigt man doch ohne Blitz mindestens eine sehr hohe ISO-Empfindlichkeit mit dem damit verbundenen Rauschen, oft auch noch lichtstarke Objektive. Einige Nachteile der Blitzerei in Sporthallen wurden bereits angesprochen: Während sich der Rote-Augen-Effekt noch technisch vermeiden lässt, sehen reflektierende Trikots dagegen immer unnatürlich aus, ihre Farben wirken zwar knallig, sie entsprechen aber nicht mehr der Realität. Verbunden mit etwas Restlicht von der Hallenbeleuchtung ergibt sich zudem ein suspektes Mischlicht mit seltsamen Farben. Das kann nur bedingt durch den Einsatz von passenden Farbfolien auf dem Blitz vermieden werden. Vor allem bleibt immer eine recht unnatürlich wirkende Beleuchtung – ist das menschliche Auge doch Licht von oben und nicht von vorne gewohnt. Auch harte, je nach Entfernung der Wand teils riesige Schlagschatten sehen selten gut aus. Ebenfalls nicht zu verachten ist der Störungseffekt für die Sportler: Was bei menschlichen Sportlern vielleicht verärgerte Reaktionen hervorruft kann bei tierischen Sportlern, wie Pferden, sogar zu höchst gefährlichen, unvorhersehbaren Reaktionen führen. Daher mein Tipp: Für ganz klassiche Sportmotive, etwa den Zweikampf im Eishockey oder den Block beim Volleyball, wenn irgendmöglich auf den Blitz verzichten.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Dieses Bild wurde bewusst so dunkel belichtet, dass von der Beleuchtung einer langweiligen Mehrzweckhalle nur noch die Leuchtstoffröhren selbst zu sehen sind. Die Spielerin und der Korb wurden mit einem entfesselten Systemblitz von rechts unten angeblitzt, sie scheinen nun in einem futuristischen Raum zu schweben. (16 mm, Blende 8.0, 1/250 s, ISO 100, entfesselter Blitz von rechts)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein kleiner Exkurs: Dem unnatürlichen Beleuchtungseffekt entgegen wirken kann man übrigens mit so genannten Deckenblitzen, die ihr Licht, genauso wie die Hallenbeleuchtung, von oben auf das Geschehen werfen, was zu einem optisch natürlicheren Empfinden führt. Dazu reichen allerdings gewöhnliche Aufsteckblitze in der Regel nicht aus. Um die nötige Leistung zu erzielen braucht es schon Studioblitze mit mehreren Hundert Watt, die das Licht aus mehreren Metern Höhe auf zumindest einen Teil es Spielfeldes verteilen. Wer einen derart, auch finanziell hohen Aufwand betreibt, weiß allerdings was er tut und wird diese Einführung kaum nötig haben. Nicht nur für den Amateur, auch für die allermeisten Profis hierzulande ist diese Möglichkeit eher uninteressant, weswegen sie hier nur als Möglichkeit erwähnt werde sollte.

Bei einigen Actionmotiven sind aber auch Aufsteckblitze durchaus brauchbar: So gehört zum Beispiel bei Bahnradrennen (Sechs-Tage-Rennen, etc.) der Mitzieher mit Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang inzwischen zum Standard-Repertoire. Auch bei Fun-Sportarten wie Skate- oder Snowboarding sind Blitze gang und gäbe, hier wird zumeist mit mehreren gearbeitet um den Protagonisten besonders spektakulär durch den Beleuchtungseffekt freizustellen (auch wenn hier je nach Anforderung häufig schon wieder mit portablen Studioblitzen gearbeitet wird). Für Pressekonferenzen im dunklen Kabuff ist ein Blitz häufig unverzichtbar.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein inszeniertes Sportfoto mit zwei seitlichen Blitzen und Gegenlicht. Normale Aufsteckblitze hätten bei diesen Tageslichtbedingungen nicht mehr gereicht, es kamen Mini-Blitzköpfe von Quantum zum Einsatz (105 mm, Blende 16, 1/200 s, ISO 200, je ein entfesselter Blitz links und rechts)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Um den richtigen Umgang mit Systemblitzen am Beispiel von Canons ETTL-Technik zu lernen ist folgender Link empfehlenswert: ettl-blitzen.de. Für alle anderen Systeme gibt es im Fachhandel auch eine Fülle an Literatur, die durchaus empfehlenswert ist um den richtigen Umgang mit der teils sehr komplexen Technik zu erlernen und die gebotenen Möglichkeiten auch auszureizen. Möchte man entfesselt Blitzen, kann man sich an den Regeln der People-Fotografie orientieren, wo der Einsatz mehrerer Blitze zum Standard gehört. Gerade im Sport ist der Einsatz von Blitzen noch lange nicht ausgereizt und bietet noch unendlich viele Möglichkeiten – etwas Mut und Kreativität vorausgesetzt.