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2. Technische Grundlagen

2.5. Autofokus

Nach der richtigen Belichtung wollen wir uns dem Autofokus widmen: Auf ihn möchte heute in der Sportfotografie kaum mehr jemand verzichten. Zu praktisch ist seine Funktion und zu gut seine Ergebnisse, wenn man ihn richtig einzusetzen weiß. Für bewegte Motive, wie man sie im Sport – außer beim Hallenschach vielleicht – fast immer hat, empfiehlt sich grundsätzlich der kontinuierliche Servo-Modus. Mit ihm regelt die Kamera bei halbdurchgedrücktem Auslöser ständig nach. Er eignet sich damit am Besten, um ein bewegtes Motiv zu verfolgen und im richtigen Moment ein scharfes Bild zu erhalten. Bei Serienaufnahmen – wenn der Auslöser also zwischen den einzelnen Auslösungen durchgedrückt bleibt – wird die Kamera auch zwischen jedem Bild noch nachsteuern. Canon bezeichnet diesen AF-Modus übrigens als AI Servo, Nikon als kontinuierlichen Autofokus (AF-C). Die Modi One-Shot bei Canon beziehungsweise Einzelautofokus (AF-S) bei Nikon werden im Sport dagegen fast nie benötigt. Selbst wenn sich ein Motiv kaum bewegt, sollte der nachführende Modus genau genug sein.

Der richtige Autofokuspunkt

Entscheidend ist nun die Frage, welches Autofokusfeld gewählt werden soll und wie sich damit die besten Ergebnisse erzielen lassen. Die Genauigkeit des AF hängt im Wesentlichen von der Art des Sensors und dem Kontrast des Motivs ab. Am akkuratesten agiert in der Regel der mittlere Sensor, der bei fast jeder digitalen Spiegelreflexkamera ein Kreuzsensor ist. Kreuzsensoren erkennen Kontrastunterschiede in zwei Richtungen – damit arbeiten sie besonders präzise. Liniensensoren, oder Zeilensensoren, messen dagegen nur in eine Richtung – senkrecht oder waagrecht – und damit deutlich schwerfälliger. Die AF-Systeme verschiedener Kameras unterscheiden sich hauptsächlich in der Zahl und Qualität ihrer AF-Punkte. Einsteigerkameras verfügen oft nur über einen mittleren Kreuzsensor in der Mitte, der durch einige Liniensensoren ergänzt wird. Top-Modelle warten dagegen oft mit mehreren Dutzend Kreuzsensoren auf, die sich zudem oft deutlich besser über das gesamte Bildfeld verteilen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein unbeschnittenes Foto von einem Marathon. In diesem Fall war es notwendig, den aktiven AF-Sensor außerhalb der Mitte zu platzieren, um das Bild entsprechend komponieren zu können. (200 mm, Blende 3.2, 1/5000 s, ISO 400)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Prinzipiell sollte man für das beste Ergebnis mit dem besten AF-Punkt arbeiten – das ist immer der Mittige. Hier liefern Objektive auch ihre beste Abbildungsleistung, was den AF zusätzlich unterstützt. Bewegt sich ein Motiv extrem schnell und unvorhersehbar, kann es allerdings passieren, dass man es mit nur einem AF-Punkt nicht mehr gut genug verfolgen kann. Zielt man dann mit diesem einen aktiven AF-Punkt daneben, stellt die Kamera unter Umständen sofort auf den Hintergrund scharf. Das Motiv dann wieder einzufangen, wird umso schwieriger. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, den AF-Bereich um einige Hilfssensoren zu erweitern, wenn die Kamera die Möglichkeit dazu bietet. Generell vermeiden sollte man die Nutzung aller AF-Felder. Hier kommt es schnell zu Fehlfokussierungen, besonders wenn Spieler oder Schiedsrichter die "Schussbahn" kreuzen und so die Messung irritieren.

In der Regel reicht der Kreuzsensor in der Mitte also völlig aus. Gerade bei autofokusintensiven Actionszenen hat man meistens eh nicht die Zeit zur optimalen Bildgestaltung – es geht erst mal nur darum, die Szene überhaupt im Kasten zu haben. Den Bildschnitt kann man bei Bedarf immer noch später erledigen. Fokussiert man mit dem mittleren AF-Feld, besteht die größte Chance, alles Notwendige im Bild zu haben, gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass auch scharf ist, was scharf sein soll.

Feineinstellungen

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein DTM-Wagen, der extrem schnell aus der Kurve beschleunigt. In solchen Fällen kann man durch Feineinstellung die Leistung des AF unter Umständen noch optimieren – zumindest, wenn die Kamera diese Option überhaupt anbietet. (300 mm, Blende 9.0, 1/200 s, ISO 200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Darüberhinaus gibt es, zumindest bei einigen Kameramodellen ab der Mittelklasse, noch weitere Feineinstellungen. Dazu zählen etwa die Reaktionsgeschwindigkeit, die Nachführung bei Beschleunigung bzw. Verzögerung des Motivs oder der automatische Wechsel zwischen AF-Punkten. Besonders die Reaktionsgeschwindigkeit ist ein zweischneidiges Schwert: Setzt man sie sehr hoch an, wird schon ein nur einen Augenblick durchs Bild huschender Schiedsrichter den AF vom eigentlichen Motiv ablenken. Wird die Reaktion dagegen sehr träge eingestellt und fokussiert man auf ein falsches Motiv, wird es unnötig lange dauern, die Schärfe wieder auf das richtige Motiv zurück zu holen. Auch die beiden anderen genannten Einstellungen sollte man nur mit Bedacht ändern – hier ist langsames Rantasten angesagt. Für die meisten Anwendungsfälle im Sport reichen die Standardeinstellungen in der Regel völlig aus. Viele Kameramodelle unterhalb der Luxusklasse bieten ohnehin wenig bis keine dieser Feineinstellungen an.

Und auch an dieser Stelle sei schon erwähnt, worauf ich in den Kapiteln zu Objektiven und Kameras noch näher eingehen werde: Die Kamera und ihr AF-System sind immer nur so gut, wie das Objektiv es zulässt! Verfügt das Objektiv nur über einen langsamen AF-Motor, wird auch der schnellste, ausgefeilteste Autofokussensor im Top-Gehäuse wenig ausrichten können.

Weitere Einflussfaktoren

Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären: Der Autofokus arbeitet bei Helligkeit deutlich besser als bei Dunkelheit. Die Lichtsituation kann man leider selten beeinflussen – man sollte sich also nicht wundern, wenn sich der Autofokus in der dunklen Sporthalle schwerer tut als auf dem Fußballplatz in der Sonne. Punkt 2 ist, dass natürlich auch das Motiv selbst eine Rolle spielt: Ist es kontrastreich, tut sich der AF deutlich leichter, als bei einem einfarbigen, kontrastlosem Motiv. Heißt: Trägt der Sportler ein helles Trikot mit kontrastreichem dunklem Werbeaufdruck oder eine große, auffällige Startnummer in Schwarz auf Weiß, trifft der AF deutlich besser, als wenn der ganze Sportler in einfarbiger Kleidung steckt, die schlimmstenfalls noch nicht mal im Kontrast zum Hintergrund steht. Und zu guter Letzt entscheidet auch wieder das Objektiv, womit sich der Kreis zum vorigen Absatz schließt: Je lichtstärker (dazu später mehr im Kapitel 3.1.) ein Objektiv, desto mehr Licht landet auf den AF-Messfeldern und desto präziser können diese messen. Dies gilt jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze: Ist ein Objektiv extrem lichtstark, hat also eine sehr große Offenblende, wird die Schärfeebene sehr schmal. In diesem Fall kippt die Leistung des Autofokus, weil es der Kamera schwer fällt, diese sehr kurze Schärfeebene zuverlässig nachzuführen. Klassische Sportlinsen dringen aber selten in diese Bereiche vor, insofern stellt sich dieses Luxusproblem eher selten.