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3. Die richtige Ausrüstung

3.1. Objektive

Die Frage nach der richtigen Ausrüstung ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits wird sie gerne überschätzt, andererseits ist die Sportfotografie in ihren vielen Facetten teilweise tatsächlich anspruchsvoll an das technische Equpiment. Gerade die klassischen Motive erfordern, wenn Sie gut umgesetzt werden wollen, eine recht professionelle Ausrüstung. Die ungewöhnlichen Bilder dagegen sind oft mit erstaunlich einfachen Equipment umzusetzen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Profiausrüstung: Drei Gehäuse, 15 mm 2.8 Fisheye, 16-35 mm 2.8, 70-200 mm 2.8, 300 mm 2.8, Ersatzakkus, 1.4x Extender, zwei Systemblitze und Speicherkarten. Eine gute Ausrüstung erleichtert die Arbeit, Vorraussetzung für gute Fotos ist sie nicht unbedingt.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Dieses Kapitel widmet sich zunächst der Frage nach den richtigen Objektiven, da Sie meiner Meinung nach tatsächlich entscheidender ist als die Wahl des richtigen Kameragehäuses. Gerade die Wahl der Objektive sollte stark am Bedarf und den finanziellen Möglichkeiten ausgerichtet sein: Welche Teile sind zwingend notwendig, auf welche kann man vorerst verzichten? Nicht für jede Sportart und schon gar nicht für jeden Fotografen sind Ausrüstungen, wie die links abgebildete, notwendig, um ans Ziel zu kommen.

Bevor wir ins Detail gehen: Auf welches Kamera-/Objektivsystem man setzt, wird zunehmend Geschmacksfrage. Vor allem die großen Hersteller Canon und Nikon unterscheiden sich weder im Preis noch in der Qualität wesentlich. Profis verwenden fast ausschließlich Systeme dieser beiden Hersteller. Sony holt in den letzten Jahren wacker auf, bietet aber weder bei Gehäusen noch bei Objektiven bisher eine vergleichbare Produktpalette. Auch der Gebrauchtmarkt ist bei Canon und Nikon derzeit noch deutlich ergiebiger. Andere Hersteller, wie Pentax oder Olympus trifft man bei ambitionierten Sportfotografen dagegen fast nie.

Tele-Objektive

Viele klassiche Feldsportarten, wie Fußball, Hockey oder Football, verlangen nach langen Brennweiten. Auch bei Ski- oder Autorennen ist man als Fotograf oft so weit vom Geschehen entfernt, dass man über lange Teleobjektive nicht hinweg kommt. Kleinbildäquivalende 200 mm sind dabei schon knapp bemessen, können bei entsprechender Positionierung und Motivwahl aber ausreichen. Etwas sparen kann man dafür, zumindest bei Tageslichtspielen, an der Lichtstärke. Auch Blende 4.0 stellt meistens ausreichend gut frei. Durch die hohe ISO-Empfindlichkeit moderner Gehäuse sind die nötigen Verschlusszeiten bei Outdoorsportarten, sofern sie nicht bei mickrigem Flutlicht stattfinden, in der Regel kein Problem mehr. Sind mehr als 200 mm Brennweite nötig, etwa beim Fußball, ist eine 300 mm 4.0 Festbrennweite ein guter Kompromiss aus Preis und Leistung.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Basketball mit 70-200 mm 2.8 Objektiv – bei ausreichend Licht auch Indoor ein Allrounder. (115 mm, Blende 3.2, 1/800 s, ISO 3200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ganz anders sieht es bei den meisten Hallensportarten aus, gerade wenn man nicht in den großen DEL- oder Bundesliga-Hallen verkehrt sind die Beleuchtungen leider oft zappenduster. Die Spielfelder der meisten Indoor-Sportarten sind dafür verhältnismäßig klein, weswegen man mit einer Tele-Brennweite zwischen 70 und 200 mm das meiste Geschehen abdecken kann. Da es in den meisten Hallen, vor allem im Amateursport (aber nicht nur!), meistens ziemlich düster ist, kommt man um eine Offenblende von 2.8 oft nicht herum. Dies ist einerseits für einen schnellen und zuverlässigen Autofokus notwendig, andererseits auch um noch eine ausreichend kurze Verschlusszeit zu gewährleisten, ohne die ISO-Empfindlichkeit ins Extrem hochschrauben zu müssen. Die guten Autofokussysteme, die mittlerweile auch in Einsteigerkameras Einzug gefunden haben, sowie die hervorragende High-ISO-Performance der meisten modernen Bildsensoren machen eine noch größere Blende als 2.8 heutzutage aber meistens überflüssig.

Sollte man sich dennoch in besonders dunklen Hallen aufhalten, es mit einer besonders schnellen Sportart zu tun haben oder einfach einen noch besseren Freistellungseffekt erzielen wollen (→ Eingefroren und freigestellt), bieten sich einige hervorragende Festbrennweiten an. Diese bieten teilweise einen schnelleren Autofokus als Zoom-Objektive, vor allem aber eine noch bessere optische Leistung. Ein 85 mm 1.8 ist eine sehr gute Brennweite für Hallensportarten wie Basketball oder Handball, selbst Eishockey und Volleyball lässt sich damit gut abdecken. Mehr Brennweite bei sehr großer Offenblende bietet beispielsweise ein 135 mm 2.0. Konkrete Tipps bezüglich der Ausrüstung für einzelne Sportarten folgen in den folgenden Kapiteln.

Weitwinkel-Objektive

Neben den erwähnten Telebrennweiten findet sich fast überall auch ein Einsatzzweck für Normal- und vor allem Weitwinkelobjektive. Actionsportarten wie Skateboarden oder Parkour schreien quasi danach, aus nächster Nähe inszeniert zu werden. Auch beim Boxen wirken weitwinklige Bilder deutlich spektakulärer. Bei Radrennen, Triathlons, Bergläufen und anderen Langstreckenrennen kommt man ebenfalls hautnah an die Sportler ran: Ein Weitwinkel erhöht dann die Dynamik und Dramatik, gleichzeitig lässt sich so die oft spektakuläre Umgebung mit einbeziehen (→ Weitwinkel- und Fisheye-Aufnahmen).

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein Ultraweitwinkel-Objektiv erhöht die Dynamik und bezieht die Landschaft rund um den Radler mit ein. (16 mm, Blende 8, 1/200 s, ISO 250)

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Die Frage nach der richtigen Weitwinkel-Brennweite ist vor allem eine Geschmacks- und Stilfrage. Extremes Weitwinkel, etwa 12 oder 14 mm kleinbildäquivalent, muss man gut beherrschen und eignet sich nicht für jedes Motiv. Ab 30 mm Brennweite geht der spektakuläre Effekt verloren. Wem echtes Weitwinkel liegt, ist mit kleinbildäquivalenten Brennweiten zwischen 16 und 35 mm daher bestens ausgestattet. Möchte man einen Allrounder, den man z.B. auch für Portraits benutzen kann, bieten sich als Kompromisslösung lichtstarke Standardzooms mit kleinbildäquivalenten 24-70 mm an.

Tipps für Weitwinkel-Objektive
Preissegment
für Canon
für Nikon
für Sony
Mittelklasse
Sony 16-50 mm 2.8 SSM (nur APS-C, nur eingeschränkt weitwinklig)

Ein Fisheye-Objektiv kann noch mal ganz besondere Blickwinkel ermöglichen, allerdings sollte man es mit Bedacht einsetzen. Der Effekt wirkt schnell langweilig, wenn man es zu häufig und bei wenig spektakulären Motiven einsetzt. Ein langweiliges Motiv wird auch durch den Fisheye-Effekt nicht besser!

Autofokusgeschwindigkeit

Wichtig ist bei Objektiven für den Sporteinsatz vor allem die Autofokusgeschwindigkeit. Zur AF-Geschwindigkeit gibt es mehrere Anhaltswerte: Die meisten Hersteller haben Objektive mit Ultraschallmotoren im Portfolio. Canon bezeichnet diese etwa als "USM" (Ultrasonic Motor), Nikon als "SWM" (Silent Wave Motor) und Sony als "SSM" (Super Sonic Wave Motor). Objektive ohne einen Ultraschallmotor sind in der Regel generell zu langsam, um beim Sport noch für zuverlässige Treffer zu sorgen – aber selbst ein Ultraschallmotor ist kein Garant für schnellen AF.

Die Geschwindigkeit ist darüberhinaus abhängig von der Offenblende, dem Zoomfaktor und der Brennweite. Die Fausformel "je offener die Blende, desto schneller der AF" gilt leider auch nur bis zu einer gewissen Grenze. Ist die Blende sehr groß, etwa bei Linsen mit 1.4 oder 1.2 Öffnung, ist der Schärfebereich schon wieder so gering, dass die AF-Geschwindigkeit sinkt. Da also weder das Vorhandensein eines Ultraschallmotors noch die Blende ausreichend Hinweise auf einen schnellen Autofokus bietet, empfiehlt es sich im Zweifel Erfahrungsberichte im Internet zu recherchieren. Je länger die Brennweite, desto größer ist auch die Herausforderung für den AF, da auch hier der Schärfebereich sehr gering ist. Hier ist also besonders auf einen schnellen AF zu achten, während Weitwinkelobjektive einen so großen Schärfebereich haben, dass man vieles sogar manuell fokussieren könnte.

Zoom vs Festbrennweite

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Maximale Freistellung: Blende 2.8 bei 400 mm Brennweite gibt es nur als Festbrennweite – von dem absurd großen und teuren Sigma 200-500 mm 2.8 Zoom einmal abgesehen. (400 mm, Blende 2.8, 1/800 s, ISO 3200)

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Bleibt der Zoomfaktor, der nicht nur, aber auch Einfluss auf die AF-Geschwindigkeit hat: Eine Festbrennweite hat per se keinen Zoomfaktor – sie bietet ja nur eine Brennweite an – Zoomobjektive gibt es dagegen in verschiedenen Varianten. Ein 18-200 mm Objektiv hat beispielsweise einen Zoomfaktor von 11 – die Brennweite lässt sich um das 11-fache verlängern. Solche Zooms sind in der Regel sehr langsam, da die Autofokuslinsen weite Wege zurücklegen müssen und Hersteller bei solchen günstigen Standardzooms ohnehin gerne an allen Enden sparen. Als Faustwert gilt hier der Faktor 3: Größer sollte ein Zoombereich nicht sein, um sowohl von der Bildqualität als auch von der AF-Geschwindigkeit ansprechende Ergebnisse zu liefern. In diesem Bereich sind bei Vollformatobjektiven auch noch Offenblenden bis 2.8 möglich. Das günstige und bei Einsteigern beliebte Standardtele 75-300 mm fällt damit raus: Die AF-Geschwindigkeit ist sehr langsam, die Bildqualität in der Regel bestenfalls mittelmäßig und mit einer Offenblende von 4.5 (nur im Bereich um die 70 mm!) bis 5.6 (bei 300 mm!) ist es auch deutlich zu lichtschwach, um eine ansprechende Freistellung zu ermöglichen.

Festbrennweiten schrecken viele Einsteiger anfangs ab – wie soll man denn ohne Zoom Fotografieren können? Viele Profis schwören allerdings darauf, vor allem People- und Landschaftsfotografen. Die Bildqualität einer guten Festbrennweite ist der eines guten Zooms immer überlegen – die Unterschiede haben sich in den letzten Jahren allerdngs minimiert. Auch im Sport haben Festbrennweiten dennoch ihre Daseinsberechtigung, wenngleich sie heute zunehmend von Zooms ersetzt werden. Am langen Ende der Fahnenstange kommt man aber kaum um sie herum: 300 mm oder 400 mm mit Blende 2.8 – zur besseren Freistellung und Low-Light-Fähigkeit – gibt es nur als Festbrennweiten. Im Bereich bis 200 mm kommt man heutzutage dagegen meistens mit Zoom-Objektiven zurecht, wenn man nicht an der Qualität gespart hat. Hier lohnen sich Festbrennweiten eigentlich nur noch, wenn mehr als Blende 2.8 benötigt wird – etwa wegen besonders schlechter Lichtbedinungen oder dem besseren Freistellungseffekt.

Bildstabilisatoren

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Mitzieher im Motorsport: Trotz langer Brennweite und langer Verschlusszeit konnte dank Bildstabilisator auch freihand sauber mitgezogen werden. Im richtigen Modus werden nur Verwacklungen senkrecht zur Schwenkrichtung ausgeglichen. (300 mm, Blende 25, 1/20 s, ISO 200)

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Auch zu den immer weiter verbreiteten Bildstabilisatoren in Objektiven und Gehäusen noch ein Wort: Sport ist eine der Disziplinen der Fotografie, die diese wohl am wenigsten benötigen. Dennoch können sie sinnvoll sein oder zumindest auch nicht schaden. Will man Action einfrieren, benötigt man so kurze Verschlusszeiten, dass man auch mit sehr langer Brennweite kaum verwackeln kann. Den meisten dürfte die Faustformel bekannt sein, dass 1 durch die Brennweite in etwa die Freihand haltbare Verschlusszeit in Sekunden ist um nicht zu verwackeln. Hat man also 200 mm kleinbildäquivalente Brennweite, sollte 1/200 s reichen um das Bild nicht zu verwackeln. Für die meisten Sportarten benötigt man zum Einfrieren der Action eher 1/500 s, das heißt selbst mit einem 500 mm Objektiv sollte man diese Verschlusszeit Freihand nicht verwackeln, und in diesen Regionen kommt aus Gewichtsgründen eh meistens ein Einbeinstativ zum Einsatz, das zusätzlich stabilisiert.

Hilfreich kann der Bildstabilisator aber bei Mitziehern und zur Stabilisierung des Sucherbildes sein (→ Mitzieher und lange Verschlusszeiten). Bei ersterem steuert der Stabilisator im entsprechenden Modus dem Verwackeln senkrecht zur gewünschten Bewegungsrichtung entgehen, zieht man also bei einem horizontal vorbeifahrendem Auto mit, verhindert der Stabilisator Verwackler nach oben und unten. Ein ruhigeres Sucherbild kann außerdem zum Fokussieren hilfreich sein. Auch um weniger schnell bewegte Motive, zum Beispiel den Vereinspräsidenten oder die Spielerfrau auf der dunklen Tribüne, abzulichten kann ein Bildstabilisator ebenfalls nützlich sein. Notwendig ist er aber nicht – hier lässt sich bei der Objektivwahl noch am ehesten Geld sparen.

Fazit

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass sowohl ein lichtstarkes Weitwinkel- als auch ein entsprechendes Tele-Zoom in fast jede Sportfotografen-Tasche gehören. Brennweiten von 16-35 mm und 70-200 mm bei Blende 2.8 sind Allrounder für die meisten Sportarten. Sollte Blende 2.8 nicht ausreichen, sind noch lichtstärkere Festbrennweiten zu empfehlen – diese sind oft sogar günstiger, aber natürlich weniger flexibel. Bewegt man sich größtenteils bei Outdoorsportarten, reichen in der Regel auch günstigeren Pendants der genannten Zooms mit Blende 4.0. Gegebenenfalls sind hier aber längere Brennweiten als 200 mm notwendig.

Internetseiten, die bei der Wahl der Ausrüstung hilfreich sein können:
Forum zu Spiegelreflexsystemen aller Hersteller (deutsch)
Forum zum Spiegelreflexsystem von Canon (deutsch)
Seite mit Testberichten zu diversen Kameras und Objektiven (englisch)
Seite mit Testberichten zu diversen Kameras und Zubehör (englisch)
Seite mit Beispielfotos diverser Kameras und Objektive (englisch)