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3. Die richtige Ausrüstung

3.3. Weiteres Zubehör

Ist die Gehäuse- und Objektivfrage geklärt, bietet sich eine schier unendliche Auswahl an weiterem Kamerazubehör. Mit einigem davon wollen wir uns hier beschäftigen.

Blitze

Für Blitze finden sich in der Sportfotografie viele kreative Einsatzmöglichkeiten, wie bereits in Kapitel 2.4 dargestellt wurde. Bei der Wahl des richtigen Blitzes kommt es vor allem auf den Einsatzzweck an. Möchte man mit einem Aufsteckblitz auf der Kamera arbeiten, sind die Systemblitze des jeweiligen Kameraherstellers die erste Wahl. Die Canon Speedlite oder Nikon SB Serien sind optimal auf die Gehäuse des jeweiligen Herstellers abgestimmt. Während auch Drittanbieter, wie die deutlich günstigeren Yongnuo heute ganz selbstverständlich die elektronische TTL-Messung und -Steuerung anbieten, können bei Originalblitzen häufig auch deutlich speziellere Einstellungen des Blitzes direkt aus dem Kameramenü heraus vorgenommen werden. Wer vor hat, auch bei widrigen Bedingungen outdoor zu Blitzen, sollte sich unbedingt ein spritzwassergeschütztes Modell zulegen. Blitzröhren reagieren auf Wasser äußerst allergisch, wie ich bei einem Triathlon mal selbst erleben musste.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Entfesselt Blitzen mit einem Mini-Studioblitz. Das Resultat wirkt fast wie ein inszeniertes Werbefoto, obwohl es während eines normalen Triathlon-Wettkampfs aufgenommen wurde. (16 mm, Blende 11, 1/400 s, ISO 400, entfesselt geblitzt)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein eigenes Kapitel ist das entfesselte Blitzen. Je nach Einsatzzweck kann auch hier die Leistung von Aufsteckblitzen ausreichen – abhängig von Umgebungslicht, gewünschter Aufhellung und Abstand zum Motiv. Oft wird man damit allerdings schnell an Leistungsgrenzen stoßen. In der Actionsportfotografie, etwa beim Snow- oder Skateboarden, kommen deswegen oft ausgewachsene Blitzanlagen zum Einsatz. Wer so etwas wirklich benötigt, weiß was er tut und braucht. Für erste Schritte ins entfesselte Blitzen reichen günstige Aufsteckblitze aber meist aus. Sowohl Originalhersteller als auch Drittanbieter bieten dabei integrierte Systeme zum entfesselt Blitzen. Dabei sollte man darauf achten, dass diese auf Funk- statt auf Infrarottechnik setzen. Infrarotübertragung erfordert einen Sichtkontakt zwischen dem Sender auf der Kamera und dem empfangenden Blitz, was den Gestaltungsspielraum deutlich einschränkt. Neben Systemen, die bereits in die Blitze integriert sind, gibt es auch eigene Funkauslöser, die durch einen integrierten Blitzschuh oder Synchron-Anschluss mit jeder Art von Blitz verbunden werden können. Die Preispalette reicht von der günstigen Yongnuo-Variante bis zu langzeiterprobten PocketWizards. Puristen haben beim entfesselt Blitzen jahrelang auf manuelle Blitzeinstellung gesetzt und waren bei Funkauslösern und Blitzen entsprechend nicht auf TTL-Blitzsteuerung angewiesen. Heutzutage kostet die Technik kaum mehr und erleichtert das Fotografieren enorm.

Speicherkarten

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Wer mit mehr als einer Speicherkarte unterwegs ist, kann diese in einem praktischen Etui aufbewahren.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Eine ausreichend große Speicherkarte sollte ohnehin selbstverständlich sein. Gerade beim Sport ist mit viel Ausschuss zu rechnen, den man – um nicht allzu viele neue Motive zu verpassen – besser erst zuhause aussortiert. Benutzt man ein Gehäuse mit hoher Bildfrequenz, sollte die Karte außerdem schnell genug sein. Die meisten Kamerahersteller geben an, welchen technischen Standard die eingesetzten Speicherkarten im jeweiligen Gehäuse erfüllen sollen, um die Serienbildfunktion voll auskosten zu können. Hersteller wie SanDisk oder Lexar sind erprobt – auf diesem Markt tummeln sich mittlerweile aber noch deutlich mehr zuverlässige Hersteller.

Bietet die Kamera die Möglichkeit, zwei Speicherkarten parallel zu nutzen, sollte man dies übrigens unbedingt tun. Das hat einerseits den Vorteil, dass man neben schnell zu verwendenden JPEGs auf einer zweiten Karte z.B. im RAW-Format speichern kann. Andererseits, und das ist im Fall der Fälle noch wichtiger: Geht eine Speicherkarte bei einer Sportveranstaltung kaputt oder verloren, hat man die Fotos immer noch auf einer zweiten Karte gespeichert. Benutzt man also eine Kamera mit zwei Kartenslots, sollte man die Möglichkeit unbedingt für Backups nutzen – dafür sind Speicherkarten mittlerweile auch günstig genug.

Sitzgelegenheit

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ausrüstung am Spielfeldrand: Ein billiger Dreibeinhocker (der nicht mal eine Fußballsaison gehalten hat…), Kamera mit Teleobjektiv auf Einbeinstativ und Laptop mit externem Kartenleser zum Bildversand.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Daneben kann bei einigen Sportarten mit festem Standpunkt wie Fußball, Hockey oder Handball ein Hocker hilfreich sein, um nicht auf dem Boden sitzen zu müssen und die hohe Perspektive beim Stehen zu vermeiden. Im Prinzip tut es jeder 5-10 EUR Dreibein-Campinghocker aus dem Baumarkt. Wer plant, den Hocker oft und lange einzusetzen, sollte gleich in ein ordentliches Exemplar investieren. Viele Kollegen schwören auf die soliden Walkstool-Hocker, die sich auch kompakt einfahren lassen. Wer seine Ausrüstung in einem Hartschalenkoffer transport, kann natürlich auch gleich diesen als Sitzgelegenheit nutzen

Stativ

Bei schwereren Objektiven mit langer Brennweite ist zudem ein Einbeinstativ hilfreich, es entlastet den Arm und sorgt für ein stabiles Sucherbild. Preislich ist wie üblich alles möglich. Ob es tatsächlich die 50 g leichtere Carbon-Variante zum doppelten Preis sein muss, ist aber fraglich. Man sollte sich beim Kauf allerdings überlegen, ob man das Einbein nur im Sitzen oder auch im Stehen verwenden will. Ist man über 1,80 groß und möchte das Einbein auch im Stehen nutzen, kommen fast nur relativ große und schwere Exemplare in Frage. Reicht ein maximaler Auszug von 1,50, stehen auch sehr kompakte und leichte Modelle zur Auswahl. Bewährte Hersteller sind Manfrotto und Gitzo – allerdings kann man hier auch mit günstigeren Herstellern wenig verkehrt machen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Teilnehmerfotos bei einem Triathlon: Immer das selbe Motiv an immer der selben Stelle. Hier kann man auf die Flexibilität des Einbeinstativs zugunsten des Komforts eines Dreibeins gut verzichten. (jeweils 200 mm, Blende 5.6, 1/320s, ISO 200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Von einem Dreibeinstativ rate ich bei der Sportfotografie übrigens eher ab. Es ist groß, schwer und unflexibel. Während man ein Einbeinstativ sammt Kamera auch mal schnell "umheben" kann, um zum Beispiel statt der Action auf dem Spielfeld den Trainer vor der Ersatzbank ins Visier zu nehmen, muss man sich bei einem Dreibein selbst um das Stativ herum bewegen. Umsetzen ist hier eher eine mühsame Angelegenheit. Dennoch gibt es ein paar wenige Einsatzzwecke: Surffotografen, die oft mit 800 mm und mehr Brennweite einen ganz bestimmten Teil der Welle anvisieren, ersparen sich durch ein Dreibeinstativ das Halten der Kamera bei den gerne mal langen Wartezeiten. Da man hier nur eine ganz spezifische Stelle im Fokus hat, kann man auf die Flexibilität eines Einbeins zugunsten des Komforts eines Dreibeins durchaus verzichten. Ähnlich verfahren manche Fotografen, die sich auf Teilnehmerfotos spezialisiert haben. In diesem Geschäft geht es darum, von jedem Teilnehmer eines Marathons, Triathlons, etc. ein oder mehrere Fotos zu machen. Dies funktioniert am besten, in dem man sich einen festen Standpunkt sucht und seine Motive an immer der selben Stelle ablichtet – auch hier kann ein Dreibein eine sinnvolle Option sein. Für die meisten anderen Anwendungsfälle der Sport- und Actionfotografie ist man mit einem Einbeinstativ allerdings besser bedient.

Schutzfilter

Schutz- beziehungsweise UV-Filter für Objektive werden von Fotohändlern besonders gerne empfohlen, nicht immer aus reiner Nächstenliebe. Ob man sie wirklich benötigt, sollte man sich genau überlegen. Eine zusätzliche "Glasscheibe" vor dem Objektiv ist nicht in die optische Rechnung der Linsen einbezogen und verschlechtert im Zweifel die Bildqualität. Je nach Qualität und Vergütung des Filters kann dies in der Praxis mehr oder weniger spürbare Auswirkungen haben. Einen optischen Vorteil sollte man sich davon jedenfalls nicht erwarten. Wenn man einen Filter benutzen möchte, sollte es ein hochwertiges Exemplar sein. B+W und Hoya sind als gute Hersteller bekannt.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Mittendrin statt nur dabei: Wer seinem Objektiv die volle Ladung Sekt zumindest frontal ersparen will, sollte hier einen Schutzfilter einsetzen. Mein Objektiv hat es allerdings auch ohne überlebt. (16 mm, Blende 16, 1/200s, ISO 200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Zum Schutz des Objektivs kann ein Filter in bestimmten Situationen aber schon Sinn machen: Möchte man zum Beispiel mit dem Weitwinkel sehr nah an dreckige, spritzende Action ran, kann ein Schutzfilter das Objektiv vor frontal eindringender Feuchtigkeit schützen. Auch bei Siegesfeiern mit Sektspritzereien schadet es nicht, wenn das klebrige Zeug nicht in die Mechanik des Objektivs vordringt. Außerdem hat man im Eifer des Gefechts weniger Hemmungen, Wassertropfen vom Schutzfilter auch mal schnell mit dem T-Shirt abzuwischen. Bei einer teuren Frontlinse sollte man sich diese Reinigungsmethode zweimal überlegen. Auch wenn das Objektiv häufig Sand oder Staub ausgesetzt ist, verhindert ein Schutzfilter einerseits das Verkratzen der Frontlinse, andererseits das Eindringen ins Objektiv.

Gegenlichtblenden

Schutz gegen andere Gefahren des täglichen Gebrauchs, zum Beispiel Anstoßen, bieten Gegenlichtblenden. Sie reduzieren die Gefahr, dass der sensible Objektivtubus Schaden nimmt. Eckt man nur mit der Gegenlichtblende, statt direkt mit dem Objektiv selbst, an, absorbiert das Material (bei den meisten Objektiven sind die "GeLis" aus Plastik oder dünnem Metall) einen Großteil des Stoßes.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Wenn die Sonne frontal ins Objektiv scheint, hilft auch keine Gegenlichtblende mehr. Die Lens-Flares lassen sich aber auch als Gestaltungsmittel einsetzen. (105 mm, Blende 13, 1/250s, ISO 200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Zudem verhindern oder reduzieren Gegenlichtblenden Lens-Flares, die Reflexionen von Lichtquellen an einer oder mehrerer Linsen im Objektiv. Fotografiert man direkt in eine solche Lichtquelle, hilft eine Streulichtblende natürlich wenig. Kommt das Licht aber von der Seite oder von oben, dann erfüllt sie durchaus ihren Zweck und erhöht den Kontrast des fertigen Bildes. Einige Hersteller liefern die passende Gegenlichtblende gleich mit dem Objektiv, bei anderen muss sie gesondert erworben werden. Zur Minimierung von Störlicht sollte die Gegenlichtblende genau auf Brennweite und Linsenkonstruktion des Objektivs zugeschnitten sein – dann empfiehlt sich die Original-GeLi des Objektivherstellers. Nutzt man die Gegenlichtblende dagegen nur um das Objektiv vor Stößen zu schützen, tut es auch eine günstige Einschraub-Gegenlichtblende eines Drittherstellers. Dann sollte man allerdings darauf achten, dass es durch diese Lösung nicht zu Vignettierungen – also Abschattungen in den Bildecken – kommt.

Reinigungsmaterialien

Optische Reinigungstücher sollten in keiner Fototasche fehlen, um Fingertapser und andere Verunreinigungen von der Frontlinse des Objektivs zu entfernen. Aber Achtung: Nicht jedes für Brillen gedachte Tuch ist auch zur Reinigung von hochwertigen Objektivlinsen geeignet. Vor allem feuchte Einmaltücher sollte man aus Rücksicht auf die Vergütung der Linsen nicht verwenden. Besser geeignete Mikrofastertücher findet man für ein paar Euro bei jedem Fotohändler. Auf Nachfrage bekommt man sie beim Objektivkauf oft auch gratis dazu. Bevor man mit einem Reinigungstuch ans Werk geht, sollte man unbedingt darauf achten, dass sich keine Sand- oder Staubkörner auf der Frontlinse befinden. Sonst kann es passieren, dass man mit damit heftige Kratzer in die Vergütung ritzt.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Staubfussel und Verschmutzungen auf dem Sensor, wie hier rechts unten deutlich zu sehen, werden besonders bei geschlossenen Blenden und einfarbigen Bildflächen sichtbar. Sie lassen sich aber meistens mit einem einfachen Blasebalg entfernen. (105 mm, Blende 13, 1/250s, ISO 200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die Reinigung des Kamerasensors ist ein sehr spezielles Kapitel. Der Sensor ist das wichtigste Bauteil einer Kamera, daher kann eine falsch durchgeführte Reinigung sehr teuer werden. Viele moderne Kameras mit Wechselobjektiven bieten einen eingebauten Sensorreinigungsmodus. Dabei rütteln Ultraschallmotoren den Bildsensor kräftig durch, die gröbsten Staubpartikel fallen dabei meistens runter. Dies ist nötig, da der Sensor bei jedem Öffnen des Verschlusses eine elektrisch geladene Angriffsfläche für Staub bietet, den man nie ganz aus der Kamera fernhalten kann. Im Gegensatz zum analogen Film wird der Staub aber nicht mit jeder Auslösung auf dem Film weitertransportiert, sondern bleibt penetrant auf dem Sensor kleben. Mit der Zeit zeichnen sich die Staubpartikel in Form kleiner Flecken auf den Bildern ab – besonders auf einfarbigen Flächen und bei geschlossener Blende mit hoher Schärfentiefe.

Zusätzlich zum eingebauten Staubrüttler mancher Kameras bleiben die händische Reinigungsmethoden. Einfach und risikolos ist ein kleiner Blasebalg. Diese gibt es sowohl im Fotogeschäft als auch in Apotheken, dort unter der Bezeichnung "Ohrenspritze". Damit kann man, wenn die Kamera im Reinigungsmodus den Verschluss öffnet, den Staub einfach vom Sensor pusten. So lässt sich zumindest das Gröbste entfernen. Versucht das aber auf keinen Fall mit dem Mund oder einer Luftpumpe – mehr Feuchtigkeit und Dreck kann man gar nicht auf den Sensor befördern! Die Sensorreinigung mit Flüssigreiniger auf eigens dafür gedachten Wischstäbchen ist was für die Wagemutigen. Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, sollte besser die Finger davon lassen, um Kratzer auf dem Sensor zu vermeiden. Gänzlich bleiben lassen sollte man übrigens Experimente mit dem heimischen Staubsauger, damit ruiniert man die Verschlusslamellen, noch bevor sich das erste Staubkorn bewegt hat.

Stift und Papier

Stift und Papier klingen zwar trivial, sind aber so klein und handlich, dass sie in jede Tasche passen sollten. Ein Verwendungszweck dafür ergibt sich immer wieder, etwa um sich zu einer Rückennummer den Spielernamen zu notieren, falls man diese Information vorab nicht im Internet gefunden hat oder von einem Spielbericht abfotografieren kann.

Regencover

Weniger trivial sondern oft die letzte Rettung sind so genannte "Rain Cover" für Kamera und Objektiv. Gerade in unseren Breitengraden sind Outdoor-Veranstaltungen bei Regen keine Seltenheit, weshalb man das Material nicht überstrapazieren sollte. Zwar bieten einige Gehäuse und Objektive inzwischen einen Staub- und Spritzwasserschutz, inwiefern man den aber ausreizen möchte ist Ermessensfrage. Oft genügt schon eine einfache Plastiktüte, um die Ausrüstung vor dem gröbsten zu bewahren. Wer eine zuverlässigere und auf Kamera und Objektiv angepasste Lösung sucht wird inzwischen bei verschiedenen kommerziellen Anbietern wie Think Tank oder Aquatech fündig.

Laptop und Mobilfunkkarte

Zum Reisegepäck der Profis gehört darüber hinaus meistens ein handlicher Laptop mit UMTS oder LTE-Karte, um Bilder von überall aus zeitnah an Redaktionen und Agenturen zu versenden. Für die Hobbyfotografen, an die sich diese Einführung richtet, ist das aber normalerweise nicht von Bedeutung, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen werden soll.