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4. Bildtechniken und Effekte

4.1. Eingefroren und freigestellt

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Handball: Der harte und schnelle Wurf des Spielers konnte gerade so eingefroren werden, die offene Blende stellt ihn vor dem Hintergrund frei. (200 mm, Blende 2.2, 1/1000 s, ISO 1600)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Der Dauerbrenner und bei quasi jeder Sportart einsetzbar ist der eingefrorene Freisteller. Die Action wird durch kurze Verschlusszeit in einem bestimmten Moment festgehalten, die offene Blende sorgt für einen unscharfen Hintergrund und beschränkt das Bild somit auf das Wesentliche. Im Bruchteil einer Sekunde werden die entscheidensten und symbolträchtigsten Momente einer Sportveranstaltung festgehalten (→ Inhalt und Bildgestaltung: Action). Solche Bilder stellen geringere Anforderungen an die künstlerische und gestalterische Kreativität des Fotografen – handwerklich und technisch sind sie allerdings durchaus eine Herausforderung. Die Kameratechnik will wohl beherrscht werden, gleichzeitig sind Kenntnisse der Sportart wichtig um den richtigen Moment zu erkennen und zu erwischen.

Kurze Verschlusszeit

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Am falschen Ende gespart: Zwar hat das Bild so gut wie kein ISO-Rauschen, dafür dank der zu langen Verschlusszeit auch alles verwischt. (85 mm, Blende 2.0, 1/100 s, ISO 500)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Der Weg zur perfekt eingefrorenen Actionszene ist schnell skizziert: Eine hinreichend kurze Verschlusszeit und das richtige Timing sind das A und O. Der Teufel steckt allerdings im Detail. Schon der Aspekt der ausreichend kurzen Verschlusszeit ist eine Herausforderung, findet doch nicht jedes Spiel bei strahlender Sonne und damit reichlich vorhandenem Licht statt. Oft genug hat man es mit künstlicher Hallenbeleuchtung oder schlechtem Flutlicht zu tun. Solche Lichtverhältnisse bringen Kameras deutlich früher ans Limit als das menschliche Auge. Wir erinnern uns an Kapitel 2.1., in dem das Zusammenspiel von Verschlusszeit, Blende und ISO beschrieben wurde. Durch Wahl einer geeigneten ISO und Blende gilt es, eine ausreichend kurze Verschlusszeit zum Einfrieren der Action herbeizuführen. Also: ISO so hoch wie nötig, Blende soweit auf wie möglich. Als Faustwert kann man sich 1/500 s merken: Damit kann man die meisten Sportarten schon ganz gut einfrieren. Mit 1/1000 s lassen sich auch sehr schnelle Bewegungen, wie der Schuss eines Eishockeyspielers oder der Schmetterschlag eines Volleyballers scharf festhalten. Um es also noch mal kurz auf den Punkt zu bringen:

Kommt man selbst mit sehr hoher ISO-Empfindlichkeit nicht mehr auf eine ausreichend kurze Verschlusszeit, helfen nur noch besonders lichtstarke Objektive. Neben der kürzeren möglichen Verschlusszeit bieten diese außerdem den Vorteil der besseren Freistellung: die Spielszene wird nicht nur in einem entscheidenden, aussagekräftigen Moment eingefroren, sie hebt sich auch noch deutlich vom unscharfen Hintergrund ab. Womit wir auch schon beim zweiten Teil dieses Kapitels sind:

Maximale Freistellung

Die Freistellung eines scharfen Motivs vor einem unscharfen Hintergrund hängt von folgenden vier Faktoren ab:

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Mehr Freistellung geht fast nicht: Der Spieler formatfüllend nah vor der Kamera, der Hintergrund weit weg, dazu eine lange Brennweite mit sehr offener Blende. (400 mm, Blende 2.8, 1/2500 s, ISO 125)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Nicht alle Faktoren kann man aktiv beeinflussen. Die Entfernung zwischen Motiv und Hintergrund sowie zwischen Motiv und Kamera lässt sich oft kaum steuern – man kann sich schließlich nicht mitten auf das Spielfeld setzen. Wenn es Spielraum gibt, ohne dass man dabei einen Kompromiss bei der richtigen Perspektive eingehen muss, sollte man aber auch nicht unnötig weit vom Geschehen entfernt stehen. Generell wirken gleichmäßige Hintergründe auch im unscharfen Zustand immer angenehmer als eine wirre Anhäufung von Zäunen, Autos, Häusern und ähnlichem. Eine unscharfe, bunte Masse von Zuschauern macht sich freilich besonders gut – unterstreicht sie doch, dass sich außer dem Fotografen noch andere für die Veranstaltung interessiert haben. Bei vielen Amateurspielen hat man natürlich eher überschaubare Zuschauermassen zur Verfügung – aber wenn, sollte man sich durchaus überlegen, die Seite entsprechend zu wechseln.

Die Brennweite und Lichtstärke des Objektivs sind prinzipiell schon beeinflussbar – zumindest, solange der Geldbeutel mitspielt und die Objektivpalette es hergibt (→ Objektive). Bei Zoomobjektiven lässt sich die Brennweite variabel verändern. Bleibt die Blende beim zoomen gleich, führt mehr Brennweite auch zu einer besseren Freistellung. Wird die Blende immer kleiner, was bei Objektiven mit variabler Lichtstärkte, wie einem "75-300 mm 4.0-5.6" der Fall ist, bringt das Reinzoomen dagegen fast nichts. Am langen Ende ist das Objektiv deutlich lichtschwächer als am kurzen. Will man einen Spieler von Kopf bis Fuß ablichten, kann man außerdem keine beliebig lange Brennweite verwenden, ohne etwas abzuschneiden. Man kann allerdings bei Bedarf – und falls es zum Motiv passt – ins Hochformat wechseln, um mit mehr Brennweite oder einer kürzeren Entfernung zum Motiv arbeiten zu können.

Bei jedem Objektiv muss man sich allerdings damit abfinden, dass man über eine gewisse maximale Freistellung nicht hinauskommen wird. Das erwähnte 75-300 mm 4.0-5.6 erreicht diese Grenze deutlich früher als etwa ein lichtstarkes 400 mm 2.8 oder 200 mm 2.0 Objektiv. Solche "Lichtriesen" bieten eine schier gigantische Freistellungsleistung – die natürlich auch beherrscht werden muss. Denn je größer die Freistellung, desto kürzer ist die Schärfeebene. Mit Tools wie dem Depth of Field Calculator lässt sich berechnen, dass ein 300 mm 2.8 Objektiv am Kleinbildsensor bei Offenblende und einer Motiventfernung von 10 Metern auf eine Schärfeebene von 18 cm kommt. Hat das Objektiv bei 300 mm nur eine Offenblende von 5.6, ist die Fokusebene schon 37 cm tief. Die Freistellung ist entsprechend deutlich schlechter.