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4. Bildtechniken und Effekte

4.3. Weitwinkel- und Fisheye-Aufnahmen

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Nah dran: Die Kamera mit Fisheye-Objektiv stand direkt unter der Innenbegrenzung der Galopprennbahn auf dem Boden, Pferd und Reiter konnten so aus einem spektakulären Winkel aufgenommen werden. (15 mm Fisheye, Blende 10, 1/1600 s, ISO 1000, Fernauslöser)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Während sich manche Sportfotografen geradezu zwanghaft an ihr 300 oder 400 mm Objektiv klammern, lassen sich gerade mit sehr kurzen Weitwinkel- oder Fisheye-Objektiven sehr interessante Effekte erzielen. Die Umgebung wird bei Weitwinkelfotos nicht wie bei Telebrennweiten nah zusammengerückt, sondern wirkt weitläufig und groß. Gleichzeitig kann das Motiv bei entsprechender Nähe zur Kamera schon rein von der Abbildungsgröße deutlich hervorgehoben werden. Zudem ermöglichen Weitwinkelaufnahmen extreme Perspektiven – zum Beispiel aus Bodennähe oder von erhöhten Standpunkten. Das ermöglicht oft eine ganze neue Sicht der Dinge, die dem normalen Zuschauer sonst verwehrt bleibt.

Bei Weitwinkelaufnahmen spielt die Bildgestaltung eine noch wichtigere Rolle als bei Bildern mit Teleobjektiv. Lange Brennweiten stauchen das Motiv und den Hintergrund eng zusammen, oft besteht das Bild dann aus nicht viel mehr als dem Akteur vor einem unscharfen Hintergrund. Sehr kurze Brennweiten sorgen dagegen dafür, das alles innerhalb des großen Bildwinkels irgendwie mit im Bild ist. Bei einem 15 mm Fisheye-Objektiv liegt der Bildwinkel zum Beispiel bei sagenhaften 180°. Je kürzer die Brennweite, desto schwerer wird es auch, noch einen Freistellungseffekt zu erzielen – alles im Bild ist also mehr oder weniger scharf. Ohne ein Hauptmotiv im Vordergrund, dass sich schon rein durch seine Größe vom Hintergrund abhebt, wird man nur ein Übersichtsfoto schießen – dann fehlt ein klarer Aufhänger, der den Blick auf sich zieht. Bei Weitwinkelfotos sollte deswegen immer ein Element im Vordergrund platziert werden, selbst wenn dies vielleicht gar nicht das Hauptmotiv ist. Es bettet aber das Hauptmotiv zumindest in einem Zusammenhang. Möchte man zum Beispiel ein Stadion von innen zeigen, dann verleiht es dem Bild mehr Aussage, wenn im Vordergrund die Silhouette von begeisterten Fans zu sehen ist.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein Weitwinkel eignet sich auch, um mal komplett die Perspektive zu wechseln – zum Beispiel um im Reportagestil die Stimmung bei den Fans einzufangen (35 mm, Blende 1.4, 1/1000 s, ISO 800)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Technisch sollte man bei Weitwinkelafnahmen beachten, dass man – besonders wenn die Action sehr nah vor der Linse stattfindet – oft extrem kurze Verschlusszeiten braucht. Das rührt daher, dass durch den Verzerrungseffekt von kurzen Brennweiten selbst eine kleine Bewegung schon über einen großen Bereich der Bildfläche reichen kann. Umso kürzer muss die nötige Verschlusszeit sein, um die Bewegung noch einfrieren zu können. Nicht wundern also, wenn die Faustformel von 1/500 bis 1/1000 Sekunden Verschlusszeit bei Weitwinkel- oder Fisheye-Aufnahmen nicht ausreicht.

Aufpassen sollte man beim Einsatz von Fisheye-Objektiven, deren Effekt zwar oft witzig, aber sehr schnell auch nervig wirken kann. Durch den je nach Brennweite und Formatfaktor zwischen diagonal-bildfüllend und zirkular-kreisrund wirkenden Effekt wird unheimlich viel mit ins Bild genommen, weshalb auf Bildgestaltung besonders viel acht gegeben werden sollte. Auch lässt sich ein langweiliges 08/15-Motiv meistens nicht durch den Fisheye-Effekt aufpeppen. Hat man aber beides – ein spannendes Motiv, das eine gewisse Nähe ermöglicht, und der extreme Verzerreffekt – dann kann das Ergebnis oft einmalig sein.