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4. Bildtechniken und Effekte

4.4. Licht und Schatten

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Eisschnellläufer im Gegenlicht: Durch die Sonne und das reflektierende Eis ergibt sich ein sehr harter Kontrast, der Läufer wird zu einem schwarzen Schattenriss auf dem fein strukturiertem Eis. Nur seine rote Mütze bleibt als kleiner Farbklecks erhalten. (273 mm, Blende 8.0, 1/4000 s, ISO 200)

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Der Begriff "Fotografie" bedeutet eigentlich nichts anderes als Malen mit Licht. Klar, Licht ist die Grundlage für alles, was auf dem Film oder Bildsensor landet (→ Technische Grundlagen). Objekte, die kein Licht aussenden oder reflektieren, bleiben für die Kamera genauso schwarz wie für das Auge. Allerdings ist Licht nicht gleich Licht! In diesem Kapitel geht es daher um das Ablichten interessanter Lichtsituationen. Was sind die Besonderheiten von Licht und Schatten, wie kann man außergewöhnliche Lichtsituationen erkennen, schaffen und auszunutzen?

Ein allgemeingültiger Leitfaden dafür ist leider kaum möglich – zu unterschiedlich sind die Gegebenheiten und Sportarten. Es fängt schon bei der Definition an: was sind diese "ungewöhnlichen" Lichtsituationen eigentlich? Schattenrisse im Gegenlicht, extreme Kontraste, sanfte Lichtsäume, knallige Farbeffekte, Lens Flares… wer mit offenen Augen durch die Welt geht, wird viel entdecken - und manches davon im richtigen Moment vielleicht auch nutzen können. Sei es der Schatten eines Läufers auf dem Beton, die Silhouette eines Eisschnellläufers, der einsame Läufer im Abendrot oder die markante Gesichtsform eines Sportlers oder Trainers im Scheinwerferlicht. Das alles sind reiz-, aber auch anspruchsvolle Fotomotive, die sich "besonderes" Licht zunutze machen.

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Die tiefstehende Abendsonne zaubert ein viel interessanteres Licht als die senkrechte Mittagssonne. Diese goldene Regel der Landschaftsfotografie sollte man sich auch beim Sport zu Nutze machen. (70 mm, Blende 10, 1/2500 s, ISO 320, externer Blitz)

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Die Kamerautomatik steht bei solchen ungewöhnlichen Licht- und Schattenspielen oft vor Problemen. Während der Fotograf in diesen Situationen zum Beispiel gerade den harten Kontrast sucht, oft absichtlich eine Unter- oder Überbelichtung wünscht, versucht die Automatik ebendies zu verhindern. Sie will das Bild schließlich vermeintlich korrekt belichten, indem sie über- oder unterbelichtete Stellen innerhalb des gewählten Messbereichs vermeidet (→ Belichtungsmessung). Hier hilft daher oft nur manuelles Eingreifen, entweder über die Belichtungskorrektur oder gleich durch manuelle Belichtung.

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Die Silhouette von Triathlon-Fans im Morgenrot. (200 mm, Blende 7.1, 1/8000 s, ISO 1000)

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In einigen Fällen ist auch eine gewisse Nachbearbeitung der Kontraste am Computer nötig, um den Effekt erst so richtig zur Geltung zu bringen. Allerdings sollte man bereits bei der Aufnahme das fertige Bild vor Augen gehabt haben und den gewünschten Effekt soweit wie möglich in der Kamera erzeugen. Übertriebene Nachbearbeitung wirkt oft künstlich – und kann unter Umständen dem Kodex des Auftraggebers widersprechen, wenn man etwa für Zeitungen fotografiert. Leichte Belichtungskorrektur, auch in einzelnen Bildbereichen, ist aber in der Praxis Gang und Gebe – und war dies auch schon zu Filmzeiten. Man sollte also keine Scheu haben, Werkzeuge wie die Tonwertkorrektur, Abwedler und Nachbelichter in Maßen einzusetzen, um einem Bild den letzten Schliff zu verpassen (→ Bildbearbeitung).

Leider ist es im Fotografenalltag so, dass die meisten Bilder, um die es in diesem Kapitel geht, nur selten den Weg in die tägliche Berichterstattung der Medien finden. Man bewegt sich hier eher im künstlerischen Bereich der Sportfotografie. Der Grund ist oft, dass zwar die Lichtsituation außergewöhnlich ist und man einen großartigen grafischen Effekt kreiert hat – das Bild aber inhaltlich wenig Aussagekraft besitzt. Die Verbindung von inhaltlicher Aussage mit einmaliger, künstlerischer Umsetzung ist daher die Königsklasse. Deswegen mein Tipp: Wenn ihr die "sicheren" Bilder im Kasten habt, nehmt euch immer noch etwas Zeit und macht euch auf die Suche nach dem Besonderen. Ihr werdet viele Fehlschläge landen – aber auch immer wieder mit einem großartigen Moment belohnt werden. Die kreative Suche nach dem Ungewöhnlichen und Besonderen ist die Würze im Sportfotografenalltag. Sie bewahrt davor, irgendwann nur noch 08/15-Bilder von den immergleichen Zweikämpfen am Fließband zu produzieren!

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Licht- und Schattenspiele: Entweder durch besonderes Sonnenlicht, Scheinwerfer oder mit dem Blitz selbst erzeugt.

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