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5. Inhalt und Bildgestaltung

5.2. Action

Nicht weniger bedeutend als Emotionen ist Action. Verbissene Zweikämpfe, spektakuläre Flugeinlagen und einmalige Szenen in einem Sekundenbruchteil festgehalten sind genauso Eye-Catcher wie große Emotionen. Im Idealfall schafft man die Kombination von beidem: Emotionen und Action. Der erschrockene Blick eines Torwarts, der gerade den Ball passieren lässt, der Schrei eines Basketballers, wenn er nach einem Dunk am Korb hängt, das sind einmalige kurze Momente, die festzuhalten neben Glück auch ein großes Maß an Erfahrung und Vorahnung voraussetzen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Luftkampf zwischen drei Spielern. Der Ball ist direkt am Kopf, der enge Schnitt und der dunkle Hintergrund beschränken das Bild auf das Wesentliche. (400 mm, Blende 3.5, 1/800 s, ISO 1600)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Für den Anfang aber völlig ausreichend und ohnehin schwierig genug sind aber schon die ganz "gewöhnlichen" Action-Aufnahmen. Sie sollen im Idealfall entscheidende Momente im Spielverlauf oder der Sportart festhalten. Ganz typische Momente eines bestimmten Sports sind dabei genauso wichtig wie die Ungewöhnlichen. Beim Hürdenlauf empfiehlt es sich natürlich, den Sportler beim Sprung über die Hürde abzulichten und nicht beim Lauf zwischen zwei Hürden, könnte so ein Foto doch genauso von jeder normalen Lauf- oder Sprint-Disziplin stammen. Wesentlich seltener, dafür fast immer ein Eye-Catcher sind die ungewöhnlichen, tragischen oder komischen Momente. Rutscht einem Spieler im Zweikampf die Hose runter, stürzt der Hürdenläufer über sein Hindernis?

Das sind Momente, die man selten voraussehen kann, sie erfordern dann umso mehr ständige Konzentration, schnelle Reaktion und blindes Beherrschen der Technik. Doch dazu später mehr.

Die typischen Abläufe dagegen sind sehr gut voraussehbar, was aber nicht weniger Aufmerksamkeit erfordert um wirklich den richtigen Moment zu erwischen. Gerade wenn man nicht über eine Profi-Kamera verfügt, die bis zu zehn Bilder pro Sekunde verfeuern kann, ist Timing das A und O. Dazu braucht es vor allem Erfahrung bei der entsprechenden Sportart, auch hier heißt die Devise schlicht "üben, üben, üben". Und auch 10 fps garantieren nicht den richtigen Moment, schon gar nicht wenn blind drauf gehalten wird.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Beachvolleyball aus einer ungewohnten Perspektive: Hier wurde die einmalige Möglichkeit ausgenutzt, dass sich direkt neben dem Platz ein hohes Gebäude befand. (280 mm, Blende 4.5, 1/2500 s, ISO 200)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Bei einem Kopfballduell oder dem Angriffsschlag eines Volleyballers befindet sich der Ball nur so kurz in der Nähe der Spieler, dass ein passendes Bild bei Dauerfeuer ein Glückstreffer bleibt. Mit gutem Timing dagegen gelingen solche Aufnahmen recht zuverlässig.

Je enger der Bildausschnitt, desto schwieriger wird das Abdrücken zur rechten Zeit. Ein enger Bildausschnitt ist aber ein weiteres nicht zu verachtendes Gestaltungsmittel eines guten Sportfotos. Je mehr der Betrachter das Gefühl hat ganz nah dran zu sein am Geschen, desto intensiver wirkt das Bild. Dies kann man vermitteln durch den Einsatz eines Teleobjektivs, mit dem man versucht von Anfang an möglichst nah dran zu sein, um anschließend weniger beschneiden zu müssen, oder aber man geht falls möglich mit dem Weitwinkel selbst so nah wie möglich ans Geschehen ran.

Generell sollte man dabei immer das Bild auf das Wesentliche beschränken, sei es durch gute Freistellung des Motivs, engen Beschnitt oder den Hervorhebungseffekt naher Motive mit einem Weitwinkel. Und natürlich, das gilt für so ziemlich jede Empfehlung in dieser Einführung, sollte diese Regel auch mal gebrochen werden. Wer erinnert sich nicht an das Bild des einsam durch das Römer Stadion schreitenden Franz Beckenbauer, nach dem seine Mannschaft 1990 den Weltmeistertitel gewann? Was stellt diesen Moment wohl besser da: Ein Formatfüllender Kaiser oder der kleine Kaiser mutterseelenallein im weiten Grün des Stadio Olimpico? Wenn es sich anbietet, sollte man den Kontext also durchaus sinnvoll mit einbeziehen, bei Action- genauso wie bei allen anderen Aufnahmen.

Vor allem sollte man den Mut haben, auch andere Bildgestaltungen und Techniken auszuprobieren. Fußball mit Weitwinkel statt 400 mm Brennweite und das ohne die bekannte Hintertor-Kamera einzusetzen? Warum nicht! Es liegt in der Natur der Dinge, dass solche Versuche oft genug kläglich misslingen werden, dass man im Nachhinein jeder Minute nachtrauert, die man nicht doch in die klassischen Bilder investiert hat. Die wenigen genialen Momente aber, die man durch mutiges ausprobieren einfangen kann, die sind oft jeden Fehlversuch vorher wert.