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6. Sportarten im Detail

6.1. Fußball

Nicht nur hierzulande die mit Abstand beliebteste und meistfotografierte Sportart ist Fußball. Um sich von den hinreichend bekannten Knipsbildchen einiger Zuschauer abzuheben, sollte man einige Tipps beachten. Zum einen kann man beim Fußball fast nie genug Brennweite haben, da sich die Action in den seltensten Fällen unmittelbar vor der eigenen Nase abspielt. 200 mm sollten es mindestens sein, 300 mm sind schon sehr gut und je nach Sensorgröße (und der damit verbundenen, fiktiven Brennweitenverlängerung, die eigentlich nur ein Bildausschnitt/Crop ist) können sogar 400 mm ideal sein. Die meisten Profis arbeiten in dieser Region mit Festbrennweiten, die Bildausschnitte werden dann am Computer selbst oder von Bildredaktionen festgelegt. Festbrennweiten bieten den Vorteil der hohen Lichtstärke auch bei großen Brennweiten und der damit verbundenen besseren Freistellung. Natürlich lässt sich damit auch bei schlechtem Licht leichter arbeiten. Eine lange Festbrennweite alleine ist allerdings oft zu beschränkt, zum Beispiel wenn ein jubelnder Spieler nach dem Tor direkt in Richtung Fotografen abdreht und man nur mit der langen Brennweite bewaffnet nur noch einen Nahaufnahme der Augenpartie machen könnte. Deswegen liegt meistens noch ein Zweitgehäuse mit einem 70-200 mm oder noch kürzerem Objektiv bereit. Die Allroundtauglichste Brennweite auch an Kameras mit APS-C-Sensoren (1.5 x bzw. 1.6 x Crop-Faktor) ist beim Fußball ein 300 mm Objektiv, im Idealfall natürlich zur besseren Freistellung möglichst lichtstark. Scharfe Aufnahmen von eingefrorenen Bewegungen sollten ab einer Verschlusszeit von 1/500 s gelingen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die Position an der Seitenlinie auf Höhe des 16-Meter-Raums eignet sich auch bestens, um Emotionen von Trainern und Betreuern einzufangen. (400 mm, Blende 3.5, 1/500 s, ISO 640)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Bei Festbrennweiten allgemein und beim Fußball im speziellen sei darauf hingewiesen, dass man laut "Murphy's Law" grundsätzlich am falschen Fleck sitzt und das Beste einfach immer auf der diagonal anderen Seite des Platzes stattfindet. Damit muss man sich einfach abfinden, ständiges rumlaufen um den Platz bringt herzlich wenig, da sich bis dahin das Spielgeschehen längst wieder wo anders hin verlagert hat. Was man allerdings abschätzen kann ist, in welche Richtung das Spiel aller Voraussicht nach eher verlaufen wird und natürlich welche Mannschaft man bevorzugt fotografieren möchte. Ist zu erwarten, dass Mannschaft A das Spiel gewinnen wird und möchte man deren Tore und Jubel fotografieren, empfiehlt es sich auf der Seite von Mannschaft B zu sitzen um dort die stürmenden Favoriten abzulichten. Gleichzeitig bekommt man dort im Idealfall noch enttäuschte Spieler von Mannschaft B direkt vor die Linse. Falls möglich kann ein Seitenwechsel mit den Mannschaften zur Halbzeit sinnvoll sein, was in den unteren Ligen kein Problem sein sollte.

Was den Stand- beziehungsweise "Sitzpunkt" betrifft ist man beim Fußball relativ flexibel, zumindest wenn der Sportplatz die Möglichkeit dazu bietet. Gute Positionen sind sowohl hinter der Torauslinie zwischen Tor und Eckfahne als auch an der Seitenlinie auf Höhe des 16-Meter-Raumes. Einplanen sollte man aber je nach Ort den immer wieder vorbeilaufenden Linienrichter oder noch wesentlich störender, die sich aufwärmenden Spieler hinter der Torauslinie.

Generell sollte man beim Fußball wie bei jeder anderen Sportart darauf achten, die Protagonisten möglichst von vorne abzulichten, zwei kämpfende Rückennummern sind meistens kaum aussagekräftig. Ein Blick zur Trainerbank kann nie schaden, oft spielen sich gerade bei schlechten Spielen dort spektakulärere, emotionalere Szenen ab als auf dem Platz.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Hoher Standpunkt: Gerade wenn man sonst einen sehr unruhigen Hintergrund hat, kann die Perspektive von oben interessant sein. In niedrigen Ligen ist es oft auch kein Problem, mal auf's Tribünendach zu klettern. (400 mm, Blende 2.8, 1/1200 s, ISO 100)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Wegen der begrenzten Zahl von Fotografen-Plätzen wurden während der Fußball-WM 2006 in Deutschland auch verstärkt von der Tribüne geschossene Bilder gedruckt, die FIFA sah dafür in den Stadien eigene Fotografen-Plätze dort vor. Die meisten dieser Aufnahmen wären von einem Standpunkt unten am Platz genauso möglich gewesen, allerdings bietet die Perspektive von oben auch immer eine kleine Abwechslung. Dazu sollte die Tribüne auch ausreichend hoch und steil sein, um eine wirklich interessante Perspektive zu ermöglichen. Auch sollte man, wenn man nicht dazu gezwungen ist, die Vogelperspektive nicht unbedingt das ganze Spiel über einnehmen – zumindest nicht, wenn man als Einzelkämpfer keine Kollegen am Spielfeldrand hat.

Da man am Spielfeldrand eher stationär fotografiert und während einer Halbzeit Ortswechsel eher unnötig sind (Murphy's Law!), ist ein kleiner Dreibein-Hocker zum gemütlichen Sitzen bei gleichzeitig angenehm niedriger Perspektive empfehlenswert. Das Spielgeschehen findet in der Regel in der Horizontalen und in einem gewissen Blickwinkel rund um die eigene Position statt, weshalb ein Einbeinstativ keine Einschränkung darstellt und die Arme entlastet.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Fußball im Gegenlicht mit hellen Trikots und dunklen Hautfarben: In diesem Fall musste die Belichtungsautomatik um 2/3-Stufen nach oben korrigiert werden um ein passendes Ergebnis zu liefern. (400 mm, Blende 3.5, 1/1600 s, ISO 250)

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Eine spezielle Herausforderung stellt bei Outdoor-Sportarten ganz allgemein die Sonne dar. Sie versorgt einem mit dem Licht, das man in der Halle sonst oft schmerzlich vermisst, allerdings hat auch sie im wahrsten Sinn des Wortes ihre Schattenseiten. Gerade bei seitlich einfallendem Sonnenlicht kann es mit den im Kontrastumfang leider noch relativ begrenzten Sensoren von Digitalkameras zu dem sehr unschönen Effekt kommen, dass zum Beispiel das Gesicht eines Spielers auf der Sonnenseite völlig überstrahlt ist, während die schattige Hälfte fast komplett schwarz ist. Am einfachsten lässt sich das vermeiden, indem man sich einen Standpunkt mit der Sonne im Rücken sucht, hier sollte man allerdings vor allem bei sehr hohem Sonnenstand darauf achten, dass die Augenpartien der Spieler nicht zu sehr im Schatten verschwinden, zur Not hilft dezentes Aufhellen der entsprechenden Stellen am Computer. Die andere Alternative wäre, sich entgegen der Sonne zu platzieren, wodurch die Spieler Richtung Kamera zwar komplett im Schatten sind, so aber immerhin gleichmäßig beleuchtet. Diese Gegenlichtsituation stellt aber ganz besondere Anforderungen an die richtige Belichtung und den Autofokus, weshalb man Anfangs falls möglich lieber mit der Sonne im Rücken arbeiten sollte.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Rot: Typische Fotopositionen. Blau: Trainer. Grau: Spieler und beispielhaft eine typische Spielbewegung.

Auch die richtige Belichtungsmessung ist speziell bei Sonnenschein eine Wissenschaft für sich. So können sehr helle wie sehr dunkle Trikots die automatische Belichtungsmessung je nach Messmethode sehr irritieren und zu komplett falsch belichteten Bildern führen. Hier kann eine Mehrfeld- oder Integralmessung zumindest ausgleichend wirken, ideal natürlich wenn möglich die manuelle Belichtung. Auch schwierig sind Situationen, bei denen das Spielgeschehen schon im Schatten zum Beispiel einer Tribüne oder Baumes liegen, während der Hintergrund noch direkt von der Sonne angestrahlt und so deutlich heller ist. Hier hilft eventuell die Spotmessung weiter, die das Spielgeschehen richtig belichtet während der ohnehin belanglose Hintergrund dann eben etwas überstrahlt wirkt. Falls möglich, zum Beispiel weil man sowieso konstanten Sonnenschein oder gleich bleibende Bewölkung hat, ist wie gesagt die manuelle Belichtungsmessung oft die sicherste Wahl. Hat man eine Einstellung gefunden sollte diese erstmal für eine gewisse Zeit stimmen, die Bilder werden auch dann korrekt belichtet wenn sich die automatische Messung von unterschiedlichem Hintergrund oder ähnlichem hätte irritieren lassen. Hat man jedoch abwechselnd Sonneschein und Bewölkung oder die erwähnten schattigen Stellen auf dem Platz, dann hilft meistens nur die Belichtungsautomatik der Kamera weiter, bei Bedarf mit entsprechender Messmethode und Korrektur. Speziell bei diesem Thema wird man aber von drei Fotografen vier verschiedene Lösungswege erfahren, weshalb auch hier eigenes Ausprobieren nicht schaden kann.