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7. Nachbearbeitung

7.1. Digitale Bildbearbeitung

Im Idealfall kommt ein Sportfoto fertig aus der Kamera und hat überhaupt keine Nachbearbeitung mehr nötig. Dass das nur selten umzusetzen ist, versteht sich aber auch von selbst. Bei Festbrennweiten ist häufig noch die Anpassung des Bildschnitts notwendig, oft muss die Belichtung leicht korrigiert werden.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Das fertige Bild und sein Ausgangmaterial: Das Bild wurde beschnitten und mittels Tonwertkorrektur der Kontrast deutlich angehoben, um den Licht-Schatten-Effekt zu verdeutlichen. Der Kontrast im Original dagegen ist flau, das Bild entfaltet so nicht seine Wirkung.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Das sind Maßnahmen, die auch in der Analogfotografie üblich und nötig waren und die vielen Bildern erst den letzten Schliff verpassen. Dabei sollte man sich aber immer an den Leitspruch halten, "weniger ist mehr". Je weniger man an einem Bild verändert, desto weniger kann man auch "verschlimmbessern". Leichte Korrekturen veredeln ohnehin schon gut Bilder, ist das Ausgangsmaterial aber einfach schlecht, lässt sich mit digitaler Bearbeitung auch kaum mehr was retten. Stark unscharfe Bilder bieten keine Bildinformationen, um sie am Computer noch wirklich scharf zu zeichnen, aus komplett überstrahlten Bildstellen lässt sich meist auch nichts mehr retten. Wo Bildinformationen schlichtweg fehlen, kann der Computer auch nichts Vernünftiges mehr dazurechnen.

Deshalb sollte man schon bei der Aufnahme selbst tunlichst darauf achten, möglichst verwertbares Bildmaterial zu schaffen. RAW-Dateien bieten zwar dank ihrer unverarbeiteten Bildinformationen etwas mehr Möglichkeiten als JPEGs, aber auch hier lässt sich aus einem verhunzten Bild kaum noch etwas retten. Ob man den Speicherplatz und die Zeit zur Umwandlung einer Unmenge von RAW-Dateien opfern will steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

Man sollte bereits im Moment der Aufnahme das fertige Bild im Kopf haben, auch wenn man dieses allein mit der Kamera noch nicht gleich genau so umsetzen kann, weil es einem zum Beispiel dank einer Festbrennweite an der Möglichkeit zur Veränderung des Ausschnitts mangelt oder man den Kontrast erst nachträglich am Computer anpassen kann. Hat man aber dieses fertige Bild von Anfang an vor Augen, kann man die Aufnahme bereits bestmöglich in die gewünschte Richtung umsetzen und am Computer vollenden. Nachträglich noch mit verschiedenen Bildschnitten oder Belichtungen zu experimentieren, ohne sich bei der Aufnahme nähere Gedanken dazu gemacht zu haben, führt nur in den seltensten Fällen zu einem überzeugenden Resultat. Das eigentliche Gerät zur Bilderzeugung ist der Kopf und die Kamera, nicht der Computer zu Hause. Hier sollte nur pefektioniert werden, was vorher schon vor dem inneren Auge entstanden ist und mit der Kamera bestmöglich umgesetzt wurde.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Durch einen engeren Bildschnitt lässt sich die Wirkung des Bildes verbessern, gleichzeitig kann z.B. ein schiefer Horizont korrigiert werden.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Ein ganz spezielles Kapitel ist noch das Entrauschen von Bildern: Viele Fotografen scheinen fast panische Angst vor Bildrauschen zu haben, das nun mal bei hohen ISO-Empfindlichkeiten entsteht. Bei Sportaufnahmen ist auch starkes Bildrauschen also alltäglich, wie sonst soll man die entsprechend kurzen Verschlusszeiten selbst bei sehr lichtstarken Objektiven auch erreichen. Eingangs wurde bereits geschrieben, dass eine von Anfang an mit hoher ISO, aber richtig belichtete Aufnahme, immer noch rauschärmer ist als ein mit geringer ISO unterbelichtetes Bild, das anschließend wieder nach oben korrigiert werden muss. Das ist das erste Mittel, um Bildrauschen möglichst gering zu halten. Die zweite ist ein aktuelles Kameragehäuse, deren Sensoren von Generation zu Generation immer weniger ISO-Rauschen aufweisen. Lichtstärkere Objektive geben zusätzlich Spielraum, eine niedrigere Empfindlichkeit einsetzen zu können. Und zu guter letzt sollte man das verbleibende Rauschen einfach akzeptieren. Auf den meisten Ausbelichtungen wird das Rauschen kaum mehr zu sehen sein, dafür behält das Bild seine Natürlichkeit. Lässt man dagegen eine Entrausch-Software über das Bild laufen, verliert es an Details und Natürlichkeit. Fein strukturierte Flächen wie Haare werden weich gezeichnet, besonders die abgebildeten Menschen sehen dadurch meistens sehr unnatürlich aus. Bilder wirken dadurch im Anschluss oft sehr viel gröber als sie es durch das feine ISO-Rauschen vorher getan haben.