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8. Verhalten am Sportplatz

Ein abschließendes Kapitel muss leider auch noch sein, nämlich das zum angemessenen Verhalten während des Fotografierens. Unter Amateuren wie Profis ist der Egoismus gleichermaßen verteilt, dass man unbedingt als erster vorne dran sein muss um das vermeintlich beste Foto zu bekommen. In der Hoffnung auf ein gutes Bild gefährden manche nicht nur sich selbst, sondern auch die Sportler. Dabei sollte eigentlich jeder wissen, dass kein Sportfoto so gut und so wertvoll ist, dass man dafür sein Leben oder das anderer gefährden darf. Gleiches gilt beim Umgang mit großen und kleinen Tieren: Man kann nicht abschätzen, wie diese auf das Rattern eines Kameraverschlusses oder einen Blitz reagieren werden, im Zweifel sollte man es also lieber lassen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Die beiden Kollegen mit den neonfarbenen Westen haben sich beim Veranstalter und allen anderen Fotografen besonders beliebt gemacht, die sich für das Siegerfoto einen "cleanen" Zielkanal wünschen. Die Konsequenz in den Folgejahren waren deutlich strengere Zutrittskontrollen und zahllose Diskussionen mit Streckenposten auch an unproblematischen Stellen.

Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de

Doch auch im kleineren und ungefährlichen Maßstab gilt, dass man als Fotograf auf keinen Fall Einfluss auf das Geschehen nehmen sollte. Man ist immer Gast bei der entsprechenden Veranstaltung und sollte sich entsprechend verhalten. Es ist unnötig, die Blicke auf sich zu ziehen und erschwert nur einem selbst und anderen Kollegen die Arbeit. Regeln für Fotografen sind bei einigen Veranstaltungen unter anderem deshalb so streng, weil sich in der Vergangenheit einige nicht zusammenreißen und entsprechend verhalten konnten. Die Folgen dieses Verhaltens bekommt dann nicht nur der Verursacher (dieser aber unter Umständen in Form eines Hausverbotes oder gar einer Anzeige oder Klage besonders intensiv), sondern auch jeder andere Kollege zu spüren. Deshalb sollte man auch in den stressigsten Situationen und den vermeintlich spektakulärsten Momenten einen kühlen Kopf bewahren – was meistens sowieso mit den durchdachteren, besseren Bildern belohnt wird. Man sollte im eigenen Interesse die Regeln des Veranstalters befolgen, auch wenn einige schwarze Schafe der Zunft sich darüber hinwegsetzen. Generell gilt die Regel: Fotografiere die Highlights der Veranstaltung, statt durch unpassendes Verhalten selbst eines zu werden.

Abschließend soll noch einmal erwähnt werden, worauf eingangs schon verwiesen wurde: Man muss nicht in den höchsten Spielklassen fotografieren um schöne Bilder zu bekommen! Zwar bieten hohe Ligen oft besseres Licht, spektakulärere Stadien, vermeintlich größere Momente – dafür bieten Amateurveranstaltungen oft viel mehr Freiheiten, es muss keine Rücksicht auf freie Blickwinkel für TV-Kameras genommen werden und vor allem: Jeder hat Zugang. Damit fehlt zwar der im Vorwort erwähnte "exklusive Zugang", den man zum Beispiel als akkreditierter Fotograf bei einem Bundesligaspiel genießt – was aber kein Kriterium für gute Sportfotos ist, sondern nur für das eigene Ego. Wer in den höchsten Spielklassen gemäß der Akkreditierungsrichtlinien fotografiert hat es sich hart erarbeitet. Und Arbeit ist das richtige Stichwort: Fotografen arbeiten und sitzen dort nicht zum Spaß bei Schneeregen oder brütender Hitze, sie fotografieren als Bildjournalisten das, was der gemeine Leser am nächsten Tag in der Zeitung sehen möchte. Der Veranstalter verspricht sich also etwas von deren Arbeit und gewährt deshalb nur hauptberuflichen Fotografen großer Agenturen oder Zeitungen Zutritt – zurecht. Das sollte man respektieren und sich als Amateur an dem erfreuen, was bereits in niedrigeren Spielklassen möglich ist, und das ist das meiste! Nicht die Prominenz des Motivs entscheidet über das Gelingen eines aussagekräftigen, kreativen oder einfach schönen Sportfotos!